EHEC – Diese abstrakte Abkürzung scheint zurzeit medial fast allgegenwärtig. Doch was steckt dahinter? EHEC – das steht für den etwas kompliziert anmutenden Namen Enterohämorrhagische Escherichia coli. Genauer gesagt handelt es sich bei EHEC um ein Darmbakterium, das beim Menschen schnell zu blutigen Durchfallerkrankungen und so zu einem lebensbedrohlichen Flüssigkeitsverlust führen kann. Das Bakterium bildet außerdem den ‚Nährboden’ für das sehr gefährliche HUS, das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom. Dieses bilden immerhin 5-10 Prozent der EHEC-Patienten aus. Sie müssen mit den entsprechenden Langzeitschäden wie Bluthochdruck oder Eiweißausscheidungen im Darm kämpfen. Dann wird eventuell eine Nierentransplantation notwendig – 2-3 Prozent der HUS-Verläufe enden tödlich.

Die Ursprünge des EHEC-Bakteriums sind dabei im wahrsten Sinne des Wortes „tierisch“. Prächtig wachsen und gedeihen kann dieser ‚Mikro-Killer’ nämlich im Darm von Wiederkäuern, also beispielsweise bei Rindern, Schafen aber auch Ziegen. Über deren Fäkalspuren gelangt das Darmbakterium – wie vermutlich im aktuellen Fall geschehen – in den menschlichen Nahrungskreislauf und richtet entsprechenden Schaden an. Dabei reicht übrigens schon eine geringe Infektionsdosis aus, um mit dem Erreger infiziert zu werden. Laut dem RKI-Ratgeber für Ärzte, herausgegeben von dem Robert Koch Institut, sind Kinder unter 3 Jahren die Gruppe mit der höchsten Meldeinzidenz. Dies ist auf das sogenannte „Hand-in-den-Mund-Phänomen“ zurückzuführen. Die Inkubationszeit des Erregers beträgt 3 bis 10 Tage.

Das alles ist allerdings längst nicht neu: So führte bereits im Jahr 2000 im kanadischen Walkerton eine Kontamination von Trinkwasser mit EHEC-Bakteien zu rund 2000 Erkrankungen und sogar 18 Todesfällen. Auch in den 80iger Jahren des vorherigen Jahrhunderts erlangte das gefährliche Bakterium traurige Berühmtheit: So erkrankten in den USA damals viele Menschen durch den Verzehr nicht ausreichend erhitzter Hamburger. Während sich hierzulande aktuell die Verdachtmomente gegen kontaminierte Sprossen als Multiplikator des Krankheitserregers erhärten, trat dieses Szenario in Japan bereits im Jahr 1996 auf. Damals erkrankten 9000 Schulkinder an EHEC.

Was gilt es grundsätzlich zu beachten, um die Gefahr einer EHEC-Infektion zu minimieren? Hierauf gibt das Robert Koch Institut eindeutige Antworten. Wir haben für Sie die wichtigsten Do’s and Don’ts in Sachen EHEC zusammengestellt.

So minimieren Sie das Risiko einer Ansteckung mit dem EHEC-Bakterium:

  • Verzehren Sie Milch niemals in rohem Zustand.
  • Besonders Kinder und ältere Menschen sollten tierische Lebensmittel nur durchgegart bzw. nach Anwendung eines anderen, entsprechend abtötenden, Bakteriums aufnehmen. Gleiches gilt übrigens für Schwangere.
  • Verzichten Sie bitte auf Nahrungsmittel, die NICHT erhitzt bzw. einem abtötenden Bakterium ausgesetzt wurden (z. B. Mettwurst und Rohmilchkäse).

Da EHEC-Bakterien durch eine sogenannte Schmierinfektion übertragen werden, ist es enorm wichtig, für eine gute Hände-Hygiene (z. B. durch regelmäßiges Händewaschen) zu sorgen. Dies gilt insbesondere beim Kontakt mit erkrankten Personen. Wichtig: Diese können auch noch Wochen nach der eigentlichen Erkrankung den Erreger ausscheiden. Sorgen Sie also zusätzlich für eine entsprechende Desinfektion kontaminierter Bereiche.

Dass es sich bei dem aktuellen Erreger um eine Kreuzung zweier Bakterienstämme – kurz: um einen bis dato noch völlig unbekannten Keim – handelt, macht eine wirksame Therapie umso schwieriger. Zwar wird zurzeit eine erkrankte schwangere Frau in Fulda mit Antikörpern behandelt, allerdings sind die Ergebnisse bisher noch nicht eindeutig. Laut einer aktuellen Umfrage des FORSA Instituts, hat wegen EHEC bereits jeder zweite Bundesbürger seine Ernährung umgestellt…

One Response to “EHEC: Der alte Bekannte und was dahinter steckt”

  1. on 10 Jun 2011 at 13:56Tim

    Sachen kochen und Hände waschen ist ein ziemlich vernünftiges Mantra, dass man auch im Großen dann und wann befolgen sollte, wenn keine Epidemie mit den Füßen schart. Andererseits ist rohes Gemüse gesund und ich lasse mir sicher nicht von einer hysterischen Panik vorschreiben was ich essen soll. Die Infektionsfälle sind nicht gerade astronomisch und das hat seinen Grund nicht in der tollen Arbeit des Gesundheitsministeriums.

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