Auch ein Aufenthalt in der Natur kann eine heilende Wirkung auf Körper und Seele haben, denn bestimmte Landschaftsformen rufen positive Gefühle in uns hervor. Bestimmt haben auch Sie schon diese Feststellung erlebt, dass Sie nach einem ausgiebigen Spaziergang fröhlicher und ausgeglichener zurückgekehrt sind, nachdem Sie sich für das Hinausgehen erst regelrecht aufraffen mussten. Meistens entscheidet man sich intuitiv, wonach einem draußen gerade zumute ist, zum Beispiel nach intensivem Laufen oder einem entspannten Sichgehenlassen auf einer Parkbank.

Allerdings kann die Entscheidung, wie die Natur oder Landschaft uns wieder aufbauen soll, gezielt eingesetzt werden, um diese positive Wirkung noch effektiver und langfristiger für uns zu nutzen. Die Landschaften oder Landschaftsformen lassen sich im Wesentlichen in vier Wirkungsgruppen einteilen. So wirken manche auf uns beruhigend, andere belebend oder auch aufbauend und beglückend.

Um sich von der Natur beflügeln zu lassen, reicht es aber nicht, sie nur mit unseren Sinnen zu genießen, sondern sie auf allen Ebenen zu erfahren. Um diese Fähigkeit zu erlangen, braucht man Zeit und sollte auch länger in der Natur verweilen.

Eine erste Grundvoraussetzung für ein erholsames Naturerlebnis ist eine anziehende Landschaft, die für einen schnell und unkompliziert zu erreichen ist, aber sich dennoch etwas abgelegen von der Hektik des Tages befindet. Das kann schon ein stiller Park in der Nähe der Wohnung sein.

Besonders ideal sind \“Naturgebiete\“, die alle Bereiche mit beruhigender, belebender, stärkender oder beglückender Wirkung bieten. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Natur- oder Landschaftstherapie ist die durchblutungsfördernde Bewegung mit dazwischen liegenden Verweilplätzen wie Bänken. Beim Laufen darf es dabei auch mal etwas steil nach oben oder nach unten gehen.

Die innere Einstimmung auf die Natur und die Stärkung aller Seinsebenen erlangt man am besten in drei Stufen.

In der ersten Stufe sollte man sich auf die landschaftliche Atmosphäre innerlich einstimmen, indem man durch alle Sinneseindrücke wie das Beobachten der Natur (auch von Tieren) oder das genauere Betrachten und Berühren der Pflanzen eine persönliche Beziehung zu seiner Umgebung herstellt. So fällt es einem nach einer gewissen Zeit leichter, tief durchzuatmen und sich wieder selbst wahrzunehmen.

In der zweiten Stufe sollte man sich hauptsächlich auf die Wahrnehmung der Landschaftswirkung konzentrieren, so wie man einen guten Wein genießt, nur dass man stattdessen die Natur mit ihrem Farbenspiel, den Geräuschen und Gerüchen intensiv wahrnimmt.

In der dritten und letzten Stufe sollte sich das Naturerlebnis komplettieren, indem man die Stimmungslage der Landschaft auf unsere individuelle Lebenssituation überträgt und z. B. für das Erreichen lang gehegter Ziele oder eine neue Lebensgestaltung einsetzt. So hat schon häufig ein einsamer Spaziergang an der frischen Luft oder ein schnelles Gehen in einer attraktiven Landschaft wirkungsvoller die Gedanken geordnet und viel mehr an Veränderung gebracht als die Investition von Zeit und Geld in aufreibende und langwierige Problemlösungs-Therapien.

Vor allem sollte man die Landschaftstherapie als Wohlfühl- und Freude-Therapie ansehen, die uns Möglichkeiten und Anregungen zur Harmonisierung und Problemlösung aufzeigt und nicht als medizinische Behandlung.

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