Seit fast 20 Jahren halten japanische Forscher Bifidusbakterien für die wichtigsten Bestandteile der Darmflora. Sie haben dafür gut erforschte Gründe. Etwa 25 Prozent der Bakterien in der Darmflora von einem gesunden Erwachsenen sind Bifidusbakterien, bei einem Neugeborenen sind es sogar 95 Prozent.

Die nützlichen Mikroben können schädliche Keime wie etwa Salmonellen und E. coli abtöten, denn sie produzieren ein saures Klima im Darm, das gefährliche Fäulnisbakterien und Krankheitserreger abschreckt. Außerdem verfügen sie über einen chemischen Kampfstoff, beim Bifidus Bifidin genannt, der die gefährlichen Bestandteile der Darmflora (z. B. Salmonellen) zurückdrängt.

Japanische Forscher konnten bereits in den 80er Jahren zeigen, dass mit dem zusätzlichen Verzehr von unverdaulichen Zuckern der Anteil an Bifidusbakterien in der Darmflora deutlich ansteigt. 1995 wiesen auch europäische Wissenschaftler diesen Effekt nach; sie gaben gesunden Erwachsenen täglich 15 Gramm Inulin – mit Erfolg: Der Anteil der Bifidusbakterien in der Darmflora wuchs von 17 Prozent auf rund 70 Prozent an. Schon ein leicht gehäufter Teelöffel Inulin (vier Gramm) pro Tag reicht aus, um die günstigen Bifidusbakterien in der Darmflora deutlich anwachsen zu lassen.

Vor allem, wenn wir regelmäßig reichlich Fettes und große Fleischportionen essen und vielleicht auch noch gern täglich Schnaps und Bier trinken, werden im Dickdarm erhebliche Mengen gesundheitsschädigender Stoffe gebildet, z. B. Ammoniak und Amine (Lebergifte), Nitrosamine, Phenole und Kresole (Krebs erregend), endogene Östrogene (als Auslöser von Brustkrebs verdächtigt), sekundäre Gallensäuren (Darmkrebsauslöser) und andere schädliche Substanzen. Wenn man bedenkt, dass unser Kot fast zur Hälfte aus Bakterien besteht, kann man sich leicht vorstellen, wie beträchtlich die Giftmengen ausfallen und wie sie über das Blut den ganzen Körper belasten. Es sind allerdings ganz bestimmte Bakteriengruppen (vor allem E. coli – Kolibakterien – und Clostridien), die den Hauptanteil dieser Gifte produzieren. Doch wenn man den im Darm wohnenden Bifidusbakterien zusätzlich drei bis sechs Gramm Inulin täglich zuführt, sinkt der Gehalt an giftigen Stoffen im Stuhl innerhalb von etwa drei Wochen um mehr als 40 Prozent – das bestätigen gleich mehrere Studien japanischer Wissenschaftler.

Natürlich ist es nicht der Weisheit letzter Schluss, nur eine Bakterienfamilie wie etwa die Bifidusbakterien zu füttern. Je mehr unterschiedliche Nützlinge in der Darmflora leben, desto besser reagiert das Immunsystem. Freundliche Darmbewohner lieben nicht nur Stärke und Inulin, sondern auch andere lösliche Ballaststoffe wie etwa die aus Hafer und Gerste stammenden Schleimstoffe, von Fachleuten Beta-Glukane genannt.

Besonders reich an dieser Art von Ballaststoffen sind Haferflocken, Haferkleie, Graupen, Roggen und Müslis mit Gersten- und Haferflocken. Getrocknete Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Bohnen sind ebenfalls reich an wasserlöslichen Ballaststoffen, die als Futter für die Darmflora dienen können. Auch sie fielen den Forschern auf, weil sie bei Menschen mit gestörtem Fettstoffwechsel den Cholesterinspiegel senken, wenn man reichlich davon isst.

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