Ballaststoffe, d. h. unverdauliche Stoffe, machen sich im Körper auf vielfältige Weise nützlich. Faserähnliche Ballaststoffe, die beispielsweise aus den Randschichten vom Getreide oder aus den Schalen der Hülsenfrüchte stammen, nehmen Wasser auf, quellen dabei, vergrößern die Menge des Nahrungsbreis und verringern so den Druck im Darm. Sie beschleunigen die Reise der Nahrung durch den Verdauungstrakt, regen die Beweglichkeit des Dickdarms an und vergrößern am Ende die Stuhlmenge. Beim Roggen ist die Mischung aus reichlich unlöslichen Faserstoffen und einer guten Portion löslicher Ballaststoffe ideal und zeigt beim Gang zur Toilette sichtbare Folgen: Ein Gramm Roggenballaststoffe steigert die Stuhlmenge um sechs Gramm.

Pektine aus Früchten z. B. haben andere Eigenschaften. Sie lösen sich in Flüssigkeiten auf, machen diese aber dickflüssiger. Den Dünndarm beeinflussen sie anders als Faserstoffe. Sie verlangsamen den Nahrungsbreitransport, bremsen die Ausschüttung von Hormonen und Enzymen. Sie verzögern also die Verdauung. Nährstoffe gelangen langsamer ins Blut. Den Dickdarm hingegen bringen sie auf Trab, beschleunigen den Abtransport der Nahrungsreste und dienen der Darmflora als Nahrungsquelle. Eine Reihe von weiteren Ballaststoffen, sie stammen aus Algen und Getreide, helfen dem Körper, sich gegen Umweltbelastungen zu wehren. Sie nehmen Schwermetalle auf und schubsen sie beschleunigt aus dem Darm.

Auch in die Balance der Hormone und in den Fettstoffwechsel greifen Ballaststoffe regulierend ein. Haferballaststoffe beispielsweise senken den Cholesterinspiegel auf doppelte Weise: Auf der einen Seite binden sie Gallensäuren. Den Nachschub für dieses Fettverdauungsmittel baut der Körper aus Cholesterin auf und senkt so den Cholesterinspiegel im Blut. Auf der anderen Seite entstehen aus Haferballaststoffen im Dickdarm Zusammensetzungen, die die körpereigene Produktion von Cholesterin hemmen. Weil Cholesterin auch der Baustoff verschiedener Hormone ist, greifen Ballaststoffe indirekt in das Zusammenwirken dieser Botenstoffe ein. Wer viel Ballaststoffe zu sich nimmt, hat \“großen\“ Erfolg auf der Toilette. Bei grober Kost entsteht im Darm statt kleiner harter Kotteile ein üppiges Quantum an weichem Stuhl mit hohem Wassergehalt. Dieser Verdünnungseffekt spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung gegen Darmerkrankungen.

Ballaststoffreiches Essen gilt als sicheres Mittel, den Kampf gegen steigende Darmkrebsraten, koronare Herzerkrankungen, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Übergewicht und andere Zivilisationskrankheiten zu gewinnen. Trotzdem nehmen die Deutschen im Durchschnitt zu wenig Ballaststoffe zu sich, nämlich nur ca. 20 Gramm pro Tag. Erst ab Mengen von 40 bis 50 Gramm Ballast pro Tag verdoppelt sich jedoch das Stuhlvolumen. Dann läuft der Transport der Nahrungsreste so schnell und reibungslos, dass man sich richtig wohlfühlt und schädliche Stoffe aus dem Darminhalt schnell genug aus dem Körper transportiert und ihn nicht belastet.

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