Unsere Augen leisten ständig Präzisionsarbeit. Sie fokussieren Nähe und Ferne, stellen sich immer wieder auf neue Lichtverhältnisse ein. Mehr als 80 Prozent aller Informationen nehmen wir über die Augen auf. So können unsere wichtigsten Sinnesorgane mehrere tausend Farben unterscheiden, die Geschwindigkeit eines fliegenden Balls erfassen und in einem Bruchteil von einer Sekunde Buchstaben und Bilder erkennen.

Das alles klappt aber nur, wenn die Augen einwandfrei funktionieren. Das ist bei Millionen von Menschen nicht der Fall. Sie brauchen eine Brille oder Kontaktlinsen, um wieder scharf zu sehen. \”Völlig unnötig\”, behauptet dagegen der Sehtrainer Leo Angart. \”Genau wie den Schwung beim Golf oder den Aufschlag beim Tennis, lässt sich auch das Sehen so trainieren, dass eine Brille für viele Menschen unnötig ist.\” Der gebürtige Däne hat ein spezielles Augentraining entwickelt, mit dem jeder seinen Blick wieder scharf bekommen soll. Augenärzte sind skeptisch. Was also ist dran an seiner Methode?

Das Sehtraining in der Theorie
Als Erfinder des Sehtrainings gilt der amerikanische Augenarzt Dr. William Bates (1860-1931). Er war der Meinung, dass der Augapfel in seiner Form nicht unveränderlich, sondern flexibel ist. Seine Theorie: Die Augenbewegungen werden durch die Muskeln kontrolliert. Die wichtigste Funktion ist die sogenannte zentrale Fixierung. Überanstrengung und Stress sind schuld, wenn diese nicht mehr funktioniert.

\”Der Bereich, in dem wir scharf sehen, wird Akkomodationsbereich genannt\”, sagt Leo Angart. \”Er verändert sich ständig und ist abhängig von der Tagesform. Nach einem anstrengenden Arbeitstag sehen wir nun mal schlechter. Mit den richtigen Übungen lassen sich der Akkomodationsbereich und damit die Fähigkeit, scharf sehen zu können, aber trainieren\”, behauptet er.

Das Sehtrainig soll vor allem alterssichtigen Menschen helfen. \”Das Problem bei der Alterssichtigkeit, auch Presbyopie genannt ist, dass der Punkt des schärfsten Sehens immer weiter in die Ferne rückt\”, sagt Angart. \”Irgendwann sind die Arme dann nicht mehr lang genug, um einen Text lesen zu können.  Mit speziellen Übungen kann man diesen Prozess möglichst lange hinausschieben.\”

Einfache Übungen
Das Training ist ganz einfach und sollte täglich 10 Minuten lang absolviert werden Zu Beginn übt man bei gutem Tageslicht und liest dann Texte mit immer kleiner werdenden Buchstaben. Das geht gut mit einer Zeitschrift. Dann werden die Augen bei schlechter werdenden Lichtverhältnissen trainiert. Eine sehr gute Übung ist das Lesen eines auf dem Kopf gedrehten Textes. Wichtig ist auch, dass man mal nur mit dem linken oder nur mit dem rechten Auge liest. Angart: \”Wer dann auch kleinste Schrift bei Kerzenlicht lesen kann, hat sein Ziel erreicht. Nach einer kurzen Ruhepause wird man die Verbesserung buchstäblich sehen.\”

Experten zweifeln
Die Augenmedizin sieht das eher skeptisch. \”Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass die Schwächung der Sehschärfe etwas mit nachlassender Muskelkraft zu tun hat\”, sagt der Augenarzt Dr. Febrer Bowen vom Augentis Augenzentrum in Berlin. \”Ein Sehtraining hat deshalb auch keinerlei Auswirkungen auf die Sehkraft.\” Die Wissenschaft weiß heute, dass mit zunehmendem Alter die Linse immer starrer wird, an Elastizität verliert und im entspannten Zustand nicht mehr in die kugelige Form zurückgeht, die für scharfes Sehen in der Nähe so wichtig ist.

Dem widersprechen die Verfechter des Sehtrainings: \”Anders als die Schulmedizin gehen wir davon aus, dass unser  Sehapparat durch Muskelkraft gesteuert wird\”, sagt Leo Angart. \”Die Hauptrolle spielt dabei der Ziliarmuskel.\” Er ist so etwas wie der Zoom bei einer Kamera. Schaut man in die Ferne, ist der Muskel relativ entspannt. Schaut man aber auf seine Armbanduhr, zieht er sich zusammen. Als Folge wölbt sich die Linse, die Brechkraft steigt. Durch die gewölbte Linse können nahe Gegenstände ganz scharf abgebildet werden. Dieser Prozess ist vor allem in jungen Jahren gut ausgeprägt. 12-Jährige können Gegenstände bis zu einem Abstand von acht Zentimetern superscharf sehen. Bei 40-Jährigen sind es schon 17 cm, bei 70-Jährigen sogar mehr als ein Meter.

Weitere Informationen zu diesem Sehtraining finden Sie unter www.vision-training.com/de/.

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