Sie brauchen pro Tag nur eine winzige Menge davon und doch wäre menschliches Leben ohne Vitamin B12 nicht denkbar. Vitamin B12 arbeitet im Stoffwechsel meist zusammen mit Folat. Beide sind an der Blutbildung beteiligt. Menschen mit Anämie (Blutarmut) haben zu wenig Sauerstoff im Blut, weil nicht genügend rote Blutkörperchen vorhanden sind, die Sauerstoff transportieren. Die Betroffenen neigen deshalb zur ständiger Müdigkeit. Noch bis in die Mitte der 1950-er Jahre mussten Anämiepatienten kiloweise rohe Leber essen, weil in ihr Vitamin B12 gespeichert ist. Die Entschlüsselung und künstliche Herstellung von Vitamin B12 gelang erst 1956, wofür 1964 der Nobelpreis verliehen wurde.

Vitamin B12 ist an der Neubildung von Zellen, am Bau der Erbmasse und an der Bildung der feucht-öligen Schicht auf den Nervenzellen beteiligt. Daraus lassen sich auch schon die drei wichtigsten Symptome bei Vitamin-B12-Mangel ableiten: Blutarmut, geschwächtes Immunsystem, Störungen im Nervensystem und psychische Probleme.

Die gute Nachricht ist: Es gibt fast keinen Vitamin-B12-Mangel in der gesunden Bevölkerung bis 65 Jahre. Nur Patienten mit speziellen Magen-Darm-Erkrankungen leiden an einem Vitamin-B12-Mangel. Der Grund, warum fast immer genügend Vitamin B12 im Blut ist, ist die ständige Bereitstellung durch die Leber. Im Gegensatz zu anderen wasserlöslichen Vitaminen kann der Körper Vitamin B12 speichern. Die Vitamin-B12-Vorräte der Leber halten für gut 10 Jahre und werden regelmäßig aufgefüllt, wenn Sie hin und wieder Milch, Eier, Fleisch oder Fisch essen. Vitamin B12 kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor.

Warum bekommen nun ältere Menschen immer weniger Vitamin B12? Normalerweise können Vitamine direkt aus dem Darm in den Körper übertreten. Vitamin B12 ist wegen seiner Struktur eine Ausnahme: In der Mitte jedes Vitamin-B12-Moleküls sitzt ein Metall – das Kobalt. Es hält das komplette Vitamin-B12-Molekül zusammen. Damit Vitamin B12 überhaupt durch die Darmschleimhaut ins Blut übertragen werden kann, braucht es ein Transporteiweiß – den \”Intrinsic Factor\”. Dieser wird im Magen freigesetzt, hängt sich an Vitamin B12 und bringt es dann an spezielle Pumpstationen im Darm.

Menschen, die an chronischen Magen- oder Darmerkrankungen leiden, sind deswegen meist unterversorgt mit Vitamin B12. Vor allem im höheren Alter stellt die Magenschleimhaut immer weniger Intrinsic Factor her, und die Darmfunktion verschlechtert sich. Also werden die in der Leber gespeicherten Vitamin-B12-Vorräte nach und nach aufgezehrt. Sind die Leberdepots erschöpft, fällt der Vitamin-B12-Blutwert. Die Konzentration des Vitamins in Gehirn- und Nervenzellen kann aber schon sehr viel früher sinken. Die Folgen: schlechtes Gedächtnis, Lern- und Konzentrationsprobleme, langsamere Reaktionsfähigkeit und Altersdepressionen. Strenge Vegetarier, die nicht nur Fleisch und Fleischprodukte, sondern auch Eier und Milchprodukte von ihrem Speisezettel gestrichen haben, entwickeln nach zehn bis zwölf Jahren häufig typische Symptome eines Vitamin-B12-Mangels. Der Grund: Nur tierische Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen an diesem Vitamin. Ganz wenig Vitamin B12 steckt in Bier, in Brottrunk und in sauer vergorenem Gemüse. Veganer sollten daher unbedingt zusätzlich Vitamin B12 nehmen.

Vitamin B12 ist hoch dosiert in Krebsen, Austern und Miesmuscheln vorhanden, da diese Meerestiere ständig Mikroorganismen filtern, die Vitamin B12 produzieren. Leber ist aufgrund eines erhöhten BSE-Infektionsrisikos und der relativ hohen Schadstoffbelastung kaum noch zu empfehlen. Strenge Vegetarier sollten eine Extraportion von 5 bis 10 Mikrogramm Vitamin B12 und ältere Menschen 300 bis 1000 Mikrogramm Vitamin B12 zusätzlich täglich einnehmen. 

One Response to “Vitamin B12 – wichtig für Vegetarier und Senioren”

  1. on 04 Aug 2009 at 09:26Edith Fischer

    Seit 26 Jahren bin ich aus moralischen Gründen Vegetarierin.
    Ich esse Bio-Eier, Sauerkraut (fermentiert), trinke Soyamilch, und hin und wieder esse ich Weißkäse mit Leinöl. Natürlich auch das ganze Spektrum an vegetarischen Lebensmitteln und Bioprodukten.
    Bin 68 Jahre jung, erstaunlich jung aussehend, habe keinerlei Krankheiten, und fühle mich einfach tatkräftig. Ich arbeite außerdem noch. Meine Arbeit kann ich mir allerdings einteilen. Bin im Verband Deutscher Agrarjournalisten. Ich schreibe das nur, weil es soviele Dummköpfe gibt, selbst unter den Journalisten, die behaupten, dass man krank wird, wenn man diese Lebensweise führt. Es ist immer noch nicht, weder im Fernsehen, noch allgemein in den Köpfen der Menschen drin, dass Vegetarier gesünder sind, als der Rest der Bevölkerung.
    Die vielen Kochshows im Fernsehen ekeln mich langsam an.
    Warum ist nicht mal eine Sendung dabei, die ein vegetarisches Essen vorstellt ?

Leave a Reply

Impressum
Nutzungsbedingungen