Ungefähr 70 Prozent des gesamten australischen Baumbestands bestehen aus einem der bekanntesten und beliebtesten Myrtengewächse der Welt. Der Eukalyptus, der zu den höchsten Laubbäumen der Erde zählt, wächst trotz seiner Genügsamkeit äußerst schnell und wird nicht allein aus diesem Grund immer häufiger zur Gewinnung von Hartholz für die Möbelindustrie genutzt. Spektakulär ist vor allem seine Robustheit: Eukalyptusbäume überstehen selbst Waldbrände, bei denen sie bis auf den Stumpf verkohlen. Das Geheimnis liegt unter der Erde: Eine Knolle in ihrem Wurzelbereich kann schon bald nach einem Brand wieder auskeimen.

Viele Tiere Australiens lieben den Eukalyptus. Ganz besonders die Koalabären fühlen sich hoch oben in seinen Ästen sicher und verzehren die Blätter mit Genuss. Doch Koalas sind wählerisch, auf ihrem Speiseplan steht nur ein kleiner Teil der rund 500 Eukalyptusarten. Mit gutem Grund: Bei der Mehrzahl der Pflanzen machen giftige Bestandteile das Blattwerk für die Koalas und andere Tiere ungenießbar.

Medizinisch spielt Eukalyptus schon lange eine besondere Rolle bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten. Auch dafür werden nur bestimmte Arten genutzt: Man verwendet ausschließlich das Pflanzenmaterial des Eucalyptus globulus, und für Eukalyptusöle kommen nur Arten mit einem Gehalt von mindestens 70 Prozent Cineol infrage. Neben Cineol, das auch Eukalyptol genannt wird, sind Alpha-Pinen und Limonen weitere wichtige Bestandteile des ätherischen Öls in Eukalyptusblättern. Eine Mischung dieser wirksamen Substanzen wird häufig als Myrtol bezeichnet. Industriell wird dieses Gemisch so aufbereitet, dass die drei wichtigsten Inhaltsstoffe in ganz bestimmten festgelegten Mengen darin enthalten sind.

Wie die meisten ätherischen Öle besitzen auch die des Eukalyptus eine ausgeprägte schleimlösende Wirkung. Der Hauptinhaltsstoff Cineol bewirkt, dass der Bronchialschleim besser abtransportiert werden kann. In Untersuchungen konnte man nachweisen, dass sich die Flimmerhärchen auf der Bronchialschleimhaut nach der Einnahme von Cineol-Präparaten besser bewegen. Zudem hat Cineol krampflösende Eigenschaften, was gerade bei krampfartigem Husten und Bronchitis von Vorteil ist.

Extrakte aus Eukalyptus sind heute in zahlreichen Hustenbonbons, Badezusätzen und Saunaaufgüssen zu finden. Spezielle Präparate in Kapselform enthalten hoch dosiertes Cineol oder das Substanzgemisch Myrtol, das über den Magen-Darm-Trakt in die Lunge gelangt und beim Ausatmen seine Wirkung entfaltet.

Viele Menschen schwören seit Langem auch auf Einreibungen mit Erkältungsbalsamen auf Eukalyptusbasis. Dabei gelangen die Wirkstoffe sowohl über die Haut als auch durch Einatmen der Dämpfe in den Atemtrakt. Ähnlich hilfreich sind Erkältungsbäder, die lediglich bei fieberhaften Erkrankungen tabu sein sollten. Kinder unter zwei Jahren müssen allerdings auf Eukalyptus verzichten.

Überhaupt hat die Inhalation von Eukalyptusöl eine weitere angenehme Wirkung. Wie Menthol reizt auch Cineol die Kälterezptoren auf der Schleimhaut – man hat sofort beim Inhalieren oder Lutschen sofort ein ganz subjektives Gefühl der Erleichterung.

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