Naturmedizin für Tiere

Die Homöopathie ist ein Verfahren der Naturheilmedizin. Mit gezielten Impulsen aus natürlichen Arzneimitteln will sie die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren – nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren. Viele Veterinäre setzen mittlerweile Homöopathie ergänzend zur klassischen Schulmedizin ein. Anders als die Schulmedizin orientiert sich die Homöopathie sehr stark an individuellen Krankheitszeichen. Den vierbeinigen Patienten mit Reiseübelkeit etwa gibt es nicht. Je nachdem, wie sich ein Tier im Auto verhält, ob es während der Fahrt unruhig hechelt oder in der Kurve erbricht, sich sofort nach dem Aussteigen oder erst Stunden danach erholt, bekommt es ein anderes Mittel: Nux vomica oder Petroleum, Cocculus oder Tabacum.

Das Wirkprinzip der Homöopathie ist dabei: Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Das heißt, der Behandler wendet Extrakte pflanzlicher und tierischer Substanzen oder Mineralien an, die in höherer Dosis bei einem Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen wie diejenigen, die sie bei einem Kranken kurieren. So löst Nux vomica beim Gesunden Übelkeit aus, heilt diese aber als Homöopathikum beim Erkrankten.

Das Ausgangsmaterial wird mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch in mehreren Stufen verdünnt und verschüttelt. Diesen Vorgang nennt man Potenzieren. Nicht die Menge des Wirkstoffs im Präparat ist gemäß der homöopathischen Lehre der entscheidende Wirkfaktor, sondern die „energetische Information\“, die darin gespeichert ist.

In der allgemeinen Tier-Homöopathie kommen hauptsächlich Mittel niedriger und mittlerer Potenzen (D- und C-Potenzen) zum Einsatz. Beispiele für bewährte Anwendungen: Allium cepa D6 (Küchenzwiebel) bei Fließschnupfen oder Silicea C30 gegen eitrige Hautentzündungen. Daneben verwendet ein allgemein homöopathisch arbeitender Tierarzt auch Komplexmittel – standardisierte Zubereitungen aus mehreren Einzelmittel.

Die klassische Tier-Homöopathie setzt Mittel höherer Potenz und Hochpotenzen (LM-Potenzen) ein. Vor allem Tiere mit langwierigen chronischen Erkrankungen erhalten eine klassisch-homöopathische Behandlung, die nicht direkt das einzelne Symptom, sondern die verborgene Ursache dahinter angeht. Besonders wichtig ist dabei ein ausführliches Erstgespräch mit dem Besitzer über die Krankengeschichte des Tieres, Verhaltensauffälligkeiten, Futtervorlieben oder auch Fressgewohnheiten. Auf der Basis dieser Informationen sucht der Homöopath aus den mehr als 2000 verfügbaren Naturarzneien das Mittel aus, das die Fülle an Krankheitszeichen am ehesten abdeckt – das sogenannte Simile.

Ein wichtiger Pluspunkt der Tier-Homöopathie: Sie ist nebenwirkungsfrei. Darüber hinaus sind homöopathische Mittel umweltverträglich. Es gibt keine Rückstände, die in der Umwelt landen. Biobetriebe lassen ihr Vieh deshalb in der Regel homöopathisch behandeln. Doch auch für die konventionelle Landwirtschaft zahlt sich die Naturmedizin vor allem finanziell aus.

Bei landwirtschaftlichen Nutztieren, die mit homöopathischen Arzneimitteln behandelt werden, gibt es keine Wartezeit auf Milch und Fleisch. Behandelt ein konventionell arbeitender Tierarzt etwa einen Milchviehbestand wegen eines erhöhten Zellgehalts in der Kuhmilch mit Antibiotika, darf die Milch dieser Tiere für drei bis fünf Tage nicht verkauft werden. Bei einer Herde von 50 bis 60 Hochleistungskühen, die zusammen etwa 2000 Liter Milch pro Tag liefern, liegt die finanzielle Einbuße für den Betrieb schnell bei mehreren Tausend Euro. Bei einer homöopathischen Behandlung dagegen ist der Verkauf nicht eingeschränkt. Nicht zuletzt profitieren die Tiere selbst von der Naturmedizin. Die Art der Anwendung ist für sie sehr angenehm. Die Medikamente werden über das Futter oder das Trinkwasser verabreicht und es muss nicht gespritzt werden.

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