Salz – das weiße Gold

Kein Handelsgut hat unsere Geschichte so stark geprägt wie Salz: Die Mächtigen führten seinetwegen Kriege, denn sein Besitz bedeutete ein Stück Unabhängigkeit und Reichtum. Die Unterdrückten zettelten Revolutionen an, um an den begehrten Mineralstoff zu kommen.

Auch wenn Kochsalz heute preiswert ist, bleibt es für uns überlebenswichtig. Im Blut gelöst, pulsiert es durch die Adern und umspült die Zellen. Ohne seine beiden Bestandteile Natrium und Chlorid würde nichts in unserem Körper funktionieren. Wir besitzen sogar Sensoren auf der Zunge, die Salziges schmecken. Das hat wohl bereits unseren Urahnen geholfen, sich stets ausreichend mit dem Mineralstoff zu versorgen.

Salz macht die Nahrung nicht nur schmackhaft, sondern auch haltbar. Bereits vor Jahrtausenden entdeckten Menschen, dass man damit Gemüse einlegen, Fleisch pökeln, Fisch konservieren und Käse herstellen kann. Wer Salz besaß, konnte Vorräte anlegen und mit Nahrung Handel treiben. Wann unsere Vorfahren begannen, Salz zu gewinnen, weiß niemand genau. Die ältesten Zeugnisse in Europa entdeckten Archäologen in dem Bergwerk Wieliczka in der Nähe von Krakau (Polen).

Bereits vor mehr als 5000 Jahren siedeten Menschen dort salzhaltiges Wasser in Tontöpfen. Wenn das Wasser verdampft war, wurden die Töpfe zerschlagen. Zurück blieben viele Scherben und ein massiver Salzblock. Solche Spuren gibt es überall in Europa, aber auch in Afrika und Japan. Die Menschen des Binnenlands waren darauf angewiesen, natürliche Salzquellen, sogenannte Solen, zu finden. Küstenbewohner hingegen konnten aus dem Vollen schöpfen. Sie mussten nur lernen, dem Meer sein Salz abzutrotzen.

Dort, wo das Klima es erlaubt, nutzen Menschen traditionell die Kraft der Sonne. So legten bereits die Römer an den Küsten des Mittelmeers Hunderte von Salzgärten an. Sie leiteten Meerwasser in Becken und ließen es verdunsten. Salzgärtner ernteten anschließend die Kristalle und ließen sie weiter in der Sonne trocknen. Der Mineralstoff existiert in der Natur auch in fester Form; das meiste davon liegt aber unter der Erde. In einigen Gebieten bildet es Salzstöcke, die über 1000 Meter mächtig sind. Auch dieses Salz war vor Millionen Jahren in Wasser gelöst. Doch das Wasser verdunstete, und andere Schichten legten sich über das Salz. Es entstand Steinsalz.

Bereits die Menschen der Steinzeit trieben Stollen in die Erde, um in die unterirdischen Salzlager vorzudringen. Der erste Untertagebau fand vor 4000 Jahren am Hallstätter See statt. Ob Hallstatt, Salzburg oder Halle: Viele Städte verraten mit ihrem Namen, dass sie den Mineralstoff gewannen und damit handelten, denn „Hall\“ ist das keltische Wort für Salz. Bei anderen Städten ist dieser Zusammenhang weniger offensichtlich. Lüneburg etwa verdankt seinen Reichtum im Mittelalter einer Solequelle. Die Stadt belieferte den gesamten norddeutschen Raum mit Salzheringen. Um den Mineralstoff zu trocknen, wurden große Mengen Holz verfeuert. Dafür rodete man die umliegenden Wälder. So entstand die Lüneburger Heide.

Streit um Salz führte zur Gründung der heute drittgrößten Stadt Deutschlands. Im zwölften Jahrhundert ließ Heinrich der Löwe eine Brücke an der Isar abbrennen und wenige Kilometer flussabwärts eine neue errichten. Dort entstand München, das fortan den Salzhandel über die Isar kontrollierte.

Am geschicktesten aber agierte die Republik Venedig. Ihr gelang es, mehrere Jahrhunderte lang den Salzhandel im Mittelmeer zu beherrschen. Der Salzsteuer verdankt die Stadt zum großen Teil ihre heutige Pracht.

Kaum ein Staat verzichtete auf diese einträgliche Geldquelle. Die Mächtigen beanspruchten das Salzmonopol für sich und verlangten Abgaben von ihren Untertanen. Allerdings begehrten diese wiederholt dagegen auf. Die Französische Revolution etwa entzündete sich auch an den ungerechten Salzsteuern. Und Mahatma Gandhi brachte das britische Weltreich ins Wanken, als er seine Landsleute dazu anstiftete, das Staatsmonopol der Salzgewinnung zu brechen.

Vielleicht war dies der letzte bedeutende Streit um Salz. Im 20. Jahrhundert wurde es dank industrieller Verfahren zur billigen Massenware. Im Lebensmittelhandel findet sich heute eine bunte Vielfalt von Produkten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät zu Speisesalz, das mit Jod und Fluor angereichert ist. Mit Jod lassen sich Erkrankungen der Schilddrüse vermeiden. Fluor schützt die Zähne vor Karies. Grundsätzlich wird empfohlen, sparsam zu salzen. Mediziner sehen in unserem hohen Salzverbrauch eine Mitursache für Bluthochdruck. Wir nehmen täglich zehn bis zwölf Gramm Salz zu uns. Die Hälfte davon reicht aber vollkommen aus. Wer den Salzverbrauch reduziert, senkt langfristig den Blutdruck.

Derzeit gibt es wieder einen Trend zu naturbelassenen Salzen. So schöpfen manche Salzbauern wie zu alten Zeiten mit einer Holzschaufel „Fleur de Sel\“ aus dem Meer. Die feinen weißen Kristalle bilden sich nur an heißen, windigen Tagen an der Oberfläche. Das übrige Meersalz sinkt zu Boden. Tone und andere Salze geben ihm eine graue Farbe. Fast immer wird es gewaschen, bevor es verkauft wird. Alle Speisesalze haben jedoch eines gemeinsam: Sie bestehen zu mindestens 95 Prozent aus Natriumchlorid.

One Response to “Salz – das weiße Gold”

  1. on 04 Nov 2008 at 10:06Stefan Gemeinhardt

    Fast immer wird es gewaschen, bevor es verkauft wird.

    Ist das so?

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