Seit Urzeiten haben Frauen Wurzeln ausgegraben, Blätter, Blüten, Früchte und Samen gesammelt und daraus neben Mahlzeiten auch Arzneien zubereitet. Alles, was rund um ihre Ansiedlungen wuchs, probierten sie aus und lernten dadurch heilende von unbekömmlichen und giftigen Pflanzen zu unterscheiden. Diese Frauen mussten ein breites botanisches Wissen gehabt haben, da allein in Mitteleuropa etwa 3500 Pflanzenarten wachsen.

Oft zwangen Hungersnöte die Menschen, alles zu essen, was genießbar schien, und dabei entdeckten unsere Vorfahren Neues. So gruben sie etwa die Wurzel der Wegwarte aus, auch unter dem Namen Zichorie bekannt, die im Mittelalter als Gemüse auf den Tisch kam, zugleich aber als Heilmittel gegen Magen-Darm- und Lebererkrankungen galt. Viele Generationen später diente die gemahlene und geröstete Wurzel als Kaffee-Ersatz.

Beim Blick über leuchtend gelbe Weizenfelder können wir uns heute kaum vorstellen, wie früher zwischen Getreidehalmen eine Vielzahl weiterer Pflanzen – beispielsweise Wicke und giftige Kornrade – heranreiften. Die meisten davon verwendeten unsere Ahnen ebenfalls als Medizin. Gegen Hämorriden machte man eine Abkochung von Kornrade im Saft von Königskerze, tunkte Baumwolle hinein und gebrauchte sie als Zäpfchen.

In allen Kräuterbüchern des hohen oder späten Mittelalters spielen Frauenkrankheiten und speziell weibliche Probleme rund um Menstruation und Fruchtbarkeit eine bedeutsame Rolle. Fast die Hälfte der rund 500 bekannten Pflanzen aus der Klostermedizin wurden bei Frauenleiden eingesetzt. Mit vielen Phytopharmaka machten Frauen so gute Erfahrungen, dass diese Mittel noch heute geschätzt werden, wie Gänsefingerkraut oder Schafgarbe, die Frauen gegen Menstruationsstörungen einsetzen. Bei krampfartigen Unterleibsbeschwerden vor und auch während der monatlichen Blutung hat sich Schafgarbe bewährt. Mönchspfeffer, der inzwischen zu den „rationalen\“ Phytopharmaka gehört – also zu denen mit wissenschaftlich nachgewiesener Wirksamkeit-, fand ebenfalls schon in der Antike Verwendung. Damals setzten Heilkundige die Früchte der Pflanze bei Menstruationsschmerzen und Erkrankungen der Gebärmutter ein. Daneben sollten sie gegen Kopfschmerz sowie Milz- und Wassersucht helfen. Heute verordnen Frauenärzte das Mittel etwa bei prämenstruellen Beschwerden wie Brustspannen, Reizbarkeit und damit einhergehenden Kopfschmerzen sowie bei Unregelmäßigkeiten im Zyklus.

Ließ die Periode auf sich warten, dienten Hopfenzapfen als wichtige Arznei. Zudem wirkt Hopfen beruhigend und löst nervöse Störungen.

Bei einigen dieser traditionellen Mittel haben sich im Laufe der Jahrhunderte die Anwendungsgebiete sogar völlig verändert. So empfiehlt die medizinisch versierte Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1136) Frauenmantel bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Da macht es auch Sinn, denn Frauenmantel enthält Gerbstoffe, die entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral wirken.

Einen neuen Wirkungskreis gegen Regelschmerzen, insbesondere bei weißlichem Ausfluss, erhielt die Pflanze dann im späten Mittelalter. Aber besser hilft gegen diesen Scheidenausfluss seit alters her die Weiße Taubnessel.

Für jede Lebensphase der Frau schien auch ein unterstützendes Kraut gewachsen. Hier eine kleine Auswahl: Fenchel, Dill und Baldrian sollten Verkrampfungen bei der Geburt lösen. Damit die Brüste anschließend genügend Milch bildeten, empfahlen Hebammen neben Fenchel auch Dill- und Anisfrüchte. Bei Entzündungen im Genitalbereich nutzten Frauen unter anderem Eichenrinde und Ringelblumenblüten.

Auch heute würden 85,9 Prozent aller Frauen in Deutschland erst zu einem Naturheil- oder Hausmittel greifen, wenn sie nur leicht erkrankt sind, ergab eine Umfrage der GfK-Marktforschung. Knapp 40 Prozent der Frauen wählen pflanzliche Arzneien. Mehr als die Hälfte trinken Heilkräutertees, um leichtere Beschwerden zu lindern. Und grundsätzlich sind Frauen eher bereit, auch zeitaufwendige Therapien auszuprobieren.

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