Wenn in der Bibel oder in alten Mythen von einem Apfel die Rede ist, ist meistens der Granatapfel gemeint. Er war vermutlich die Frucht des paradiesischen Baums der Erkenntnis und der „Zankapfel\“, der den Trojanischen Krieg auslöste, weil Paris ihn Aphrodite als schönster Göttin zusprach.

Seit Tausenden von Jahren kultivieren die Menschen im Nahen und Mittleren Osten die Frucht. Auch die Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon sollen damit bepflanzt gewesen sein. Heutige Anbaugebiete der robusten, bis zu fünf Meter hoch wachsenden Bäume finden sich in West- und Zentralasien, Nordindien und im Mittelmeerraum. Aber auch manche Klimazonen Amerikas, Südafrikas und Australiens lassen eine Kultivierung zu. Die Gewächse können mehrere hundert Jahre überdauern und sind wohl auch deshalb ein Symbol für langes Leben.

Der botanische Name des Granatapfels, Punica granatum, geht auf die Römer zurück. Sie nannten die aus Phönizien, von der östlichen Mittelmeerküste, eingeführte Frucht malum punicum (punischer Apfel) oder malum granatum (gekörnter Apfel).

Aus trichterförmigen, orangeroten Blüten entstehen von September bis Dezember die Früchte. In ihrem Inneren sind – durch zahlreiche Scheidewände getrennt – die Samen in ein geleeartiges Fruchtfleisch eingebettet. Diese säuerlich-herbe, fleischige Ummantelung ist das einzig direkt Genießbare.

Mit dem Apfel, den wir kennen, ist Punica granatum  nicht verwandt. Er zählt zur Familie der Weiderichgewächse, während der Apfel ein Rosengewächs ist. „Die Namensgleichheit stammt vermutlich von der Form und Farbe der Frucht\“, meint die Diplom-Biologin und Heilpraktikerin Dr. Stefanie Burkhardt-Sischka aus Magstadt in Baden-Württemberg.

In der Volksmedizin soll der Granatapfel bei Verdauungsbeschwerden helfen. Im Mittelalter kam seine Schale in Aufgüssen bei der Ruhr zum Einsatz. „Das macht auch Sinn, da in der Schale Gerbstoffe stecken\“, erklärt die Heilkunde-Expertin. „Diese Substanzen wirken zusammenziehend und können so Durchfälle lindern.\“ In der chinesischen Medizin nutzen Ärzte diesen Effekt heute noch und setzen den Sud bei hartnäckigem Durchfall ein.

Neuere Studien geben Hinweise darauf, dass die „Frucht der Götter\“ noch anderes kann. „Der Granatapfel enthält mehr antioxidative Schutzstoffe als Rotwein oder grüner Tee\“, berichtet der Apotheker Dr. Christoph Bachmann aus dem schweizerischen Luzern. „Diese Stoffe sind wichtig, um aggressive Radikale abzufangen, die für Herz, Gefäße und Nerven gefährlich sein können und die vermutlich dazu beitragen, dass Herzprobleme und Krebs entstehen.\“

Wissenschaftler belegten zudem einen blutdrucksenkenden Effekt und eine verbesserte Durchblutung des Herzmuskels nach dem Genuss des Safts. Möglicherweise hemmt die exotische Frucht sogar das Fortschreiten mancher Tumorarten wie Prostatakrebs. Eine amerikanische Studie an Patienten gab Hinweise darauf, dass Granatapfelsaft einen Einfluss auf das Tumorwachstum haben kann.

Darüber hinaus scheint der Granatapfel die Cholesterinwerte positiv zu verändern, und auch sonst kann er in ernährungsmedizinischer Hinsicht punkten. Dazu Dr. Uwe Siedentopp, Ernährungswissenschaftler sowie Arzt für Naturheilverfahren und Akupunktur aus Kassel: „Die Bedeutung liegt insbesondere in dem sehr hohen Gehalt an Vitamin C, Eisen, Zink, Magnesium und Kalium. Damit ist der Granatapfel nicht nur eine leckere, sondern auch eine gesunde Zwischenmahlzeit.\“

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