In den meisten Fällen sind Bakterien für eine Harnwegsinfektion verantwortlich, wobei sie über die Harnröhre in die Blase gelangen. Die Erreger können der Umwelt, aber auch dem eigenen Darm entstammen. Die Blasen-Schleimhaut verfügt über eigene Abwehrmechanismen in Form von Abwehrzellen, den sogenannten Granulozyten, die gezielt Bakterien bekämpfen, zusammen mit bestimmten Eiweißstoffen, den Immunglobulinen, die Teil des Immunsystems sind. Ist die Zahl eindringender Keime jedoch zu hoch, reichen diese eigenen Abwehrmechanismen nicht mehr aus und es kann zur Infektion kommen.

70 Prozent der Harnwegsinfektionen wird durch Escherichia coli (E. coli) verursacht, einem Keim, der in der normalen Dickdarmflora lebt, frei beweglich ist und durch Verschleppung leicht in den Harntrakt aufsteigen kann. Aber auch das Legen eines Blasen-Katheters kann eine Blasenentzündung hervorrufen. In dieser Situation ist die Blase natürlich ständig dem Risiko ausgesetzt, über diesen künstlichen Weg Keime hineinzulassen. Schon eine einfache untersuchende Blasenspiegelung birgt die Gefahr einer Infektion.

Die meisten Patienten mit einem Harnwegsinfekt sind weiblich. 25-30 Prozent aller Frauen erkranken mindestens einmal in ihrem Leben daran. Der Hauptgrund ist zum einen die sehr kurze Harnröhre, was das Eindringen von Keimen erleichtert. Die weibliche Harnröhre ist nur circa fünf Zentimeter lang (die des Mannes 25 Zentimeter) und zudem nahe Scheide und Darm gelegen. Zum anderen nimmt nach den Wechseljahren der Östrogengehalt ab, was zu einer verminderten Abwehr der Blasenschleimhaut führt. Ursache kann auch eine übertriebene bzw. falsche Hygiene oder häufiger Sexualverkehr mit unterschiedlichen Partnern sein. Verhütungsmittel wie das Diaphragma oder die Spirale, aber auch eine Schwangerschaft erleichtern ebenso den Keimeintritt.

Ein weiterer begünstigender Faktor für Harnwegsinfektionen ist ein gestörter Harnabfluss. Harn, der nicht entfernt werden kann oder sich über längere Zeiträume staut, verkeimt natürlich schneller. Ursachen können sein: verengte Harnleiter oder Harnröhre, Harnsteine, Tumoren, Verletzungen, neurologische Erkrankungen oder eine Querschnittslähmung. Bei Männern ist dieses Problem häufig mit einer vergrößerten Prostata verbunden, denn diese verhindert die vollständige Blasenentleerung und bietet somit ein ideales Umfeld zur Keimvermehrung.

Schließlich kommt als Ursache für ständig wiederkehrende Blasenentzündungen auch eine nicht ausgeheilte Erstinfektion oder die Grundkonstitution, d. h. Veranlagung, in Frage. Hier reicht oft schon ein kalter Luftzug, ein nasser Badeanzug, das Sitzen auf einem kalten Stein, seelischer oder körperlicher Stress aus, um die Beschwerden wieder aufflammen zu lassen.

Harnwegsinfektionen werden medizinisch nach der Lokalisation in obere und untere Infektionen eingeteilt. Bei der unteren Harnwegsinfektion ist die Harnröhre oder die Blase in Mitleidenschaft gezogen, die obere Harnwegsinfektion umfasst das Nierenbecken oder die gesamte Niere.

Eine Erkrankung der unteren Harnwege lässt sich gerade im Anfangsstadium gut mit reiner Pflanzentherapie behandeln. Wer sich nicht sicher ist oder bei wem nach zwei bis drei Tagen keine Besserung eintritt, sollte natürlich einen Arzt aufsuchen. Gleiches gilt bei Fieber. Fieber ist immer ein Zeichen, dass die Entzündung auf das Nierengewebe übergegriffen hat und sollte nicht vernachlässigt werden. Andernfalls kann eine Blutvergiftung oder eine chronische Schädigung des Nierengewebes entstehen.

Zur Therapie der unteren Harnwegsinfektion sollten täglich mindestens drei Liter Flüssigkeit getrunken werden. Das Gleiche gilt auch bei bestimmten Erkrankungen der Nieren selbst, z. B. bei Nierensteinen und auch bei Entzündungen; hier wirken pflanzliche Präparate wie Bärentraubenblätter, Brennnessel, Echte Goldrute, Kapuzinerkresse, Ackerschachtelhalm oder Meerrettich unterstützend. So wird zum einen der Harn verdünnt und das Wasserlassen erleichtert. Wichtiger ist noch, dass mit steigender Harnmenge die Bakterien aus Harnleiter, Blase und Harnröhre ausgeschwemmt werden. Heilpflanzentees verfügen zudem neben dem durchspülenden Effekt oft noch über antibakterielle, entzündungshemmende und desinfizierende Wirkungen. Wichtig ist das kontinuierliche Trinken bis zum Abklingen der Symptome und darüber hinaus, um Rückfälle zu vermeiden. Blasenentzündungen, aber vor allem alle Nierenerkrankungen sollten immer zusammen mit einem erfahrenen Arzt behandelt werden, denn die Gefahr eines bleibenden Nierenleidens ist zu groß.

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