Tinnitus, Rheuma, Herzbeschwerden, Rückenschmerzen, Kopfweh – wer kommt schon bei solchen Symptomen auf die Idee, zum Zahnarzt zu gehen? Dabei liegt die Ursache für chronische bzw. schwere Gesundheitsprobleme nicht selten am kranken Gebiss. Deshalb raten Mediziner bei folgenden Problemen auch die Zähne überprüfen zu lassen:

Herzbeschwerden
Was haben die Weisheitszähne mit Herzinfarkt und Schlaganfall zu tun?
Mittlerweile belegen viele aktuelle Studien, dass Entzündungen im Körper, beispielsweise am Herzen, durch Bakterien aus der Mundhöhle begünstigt werden. Zahnmediziner Dr. Thomas Jung aus Pfungstadt: „Man weiß inzwischen, dass Parodontitis-Bakterien von der Mundhöhle in die Blutbahn gelangen und an weit entfernten Stellen im Körper eine Entzündung auslösen können.\“ Bei ihrer Zerstörungstour durch den Körper haben es die Bakterien z. B. auf die Gefäßinnenwände abgesehen. Neben dem Herzen können auch die Beinvenen betroffen sein. Sie entzünden sich, ohne dass ein Krampfaderleiden vorliegt.

Lassen Sie regelmäßig die Zähne kontrollieren und achten Sie auf eine sorgfältige Mundhygiene. Eine Parodontosebehandlung saniert nicht nur das Zahnfleisch, sondern hilft auch den Gefäßen. Mögliche Entzündungsherde im Körper enttarnt die Immun-Szintigrafie. Sie zeigt nicht nur, ob eine Entzündung vorliegt, sondern auch wo diese ist, so dass der Arzt gezielt dagegen vorgehen kann. Bei Parodontitis werden zusätzlich mit einem neu entwickelten DNA-Sondentest die verantwortlichen Keime im Labor bestimmt. Denn auch infizierte Zahnfleischtaschen wirken wie tote Zähne als Herde.

Rückenprobleme
Es ziept in der Schulter oder im Nacken?
Rückenschmerzen können viele Ursachen haben, wie z. B. zu wenig oder falsche Bewegung, zu langes Sitzen eine zu weiche Matratze – oder eben Zahnprobleme.
„Schon kleinste Fehlstellungen können gesundheitliche Folgen haben\“, warnt Zahnmediziner Jung. „Stimmt der Biss nicht exakt, sei es durch eine zu hohe Krone oder schiefe Zähne, versucht die Kiefermuskulatur die Fehlstellung auf einer Seite auszugleichen. Die möglichen Folgen sind Verspannungen im Schulter-Nackenbereich und Rückenschmerzen, die schlimmstenfalls sogar zu einem Bandscheibenvorfall beitragen können.\“

Lassen Sie bei Rückenstress ihr Gebiss kontrollieren. Die sogenannte craniomandibuläre Dysfunktion lässt sich heute mit modernen Messmethoden und einer manuellen Untersuchung des Kiefers feststellen. Die Therapie erfolgt meist zunächst mit einer individuell angefertigten, herausnehmbaren Aufbiss-Schiene, durch die Ober- und Unterkiefer wieder in ein korrektes Verhältnis kommen. Schlecht sitzende Zahnfüllungen müssen eventuell auch erneuert bzw. neu eingeschliffen und Zahnersatz korrigiert werden.

Tinnitus
Pfeifen im Ohr, Klingeln und Rauschen?
Störende Ohrgeräusche werden immer öfter mit den Zähnen in Zusammenhang gebracht. Dr. Jung: „Viele Menschen beißen bei Stress und Schwierigkeiten meist unbewusst die Zähne zusammen.\“ Der sogenannte Bruxismus hat oft fatale Folgen. Typisch sind Schmerzen und Knacken im Kiefer, nicht selten aber auch störende Ohrgeräusche.

Gehen Sie möglichst früh zum Arzt. Meist hilft eine individuell angepasst „Knirscherschiene\“: Die durchsichtige Kunststoffleiste schützt nicht nur die Zähne vor weiterer Abnutzung, sondern lockert auch die verspannte Muskulatur. In Sachen Stressabbau empfehlen Experten Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Meditation.

Rheuma
Die Gelenk- und Muskelschmerzen quälen Betroffene meist ein Leben lang.
Heute weiß man: Übeltäter können auch wurzeltote und mit Bakterien behaftete Zähne sein. Diese Bakterien setzen Giftstoffe frei, die über die Blutbahn in den Organismus gelangen und so Entzündungsschübe an anderen Stellen im Körper auslösen können, wie z. B. Rheuma.

Mit Hilfe moderner Diagnostikverfahren, wie der digitalen Volumentomografie, können dreidimensionale Patientenaufnahmen des knöchernen Schädels angefertigt werden. Dadurch werden u. a. verdächtige Kieferhöhlenentzündungen und entzündete Wurzeln sichtbar, die beim normalen Röntgen vielfach nicht zu erkennen sind.

Kopfschmerzen
Ständiger Brummschädel und nichts hilft?
Vielleicht haben Sie schon länger einen entzündeten Weisheitszahn. Auch ein unentdecktes Loch kann Sie ganz woanders ärgern: dann nämlich, wenn die Kariesbakterien auch das Zahninnere zerstören. Grund: Die Erreger produzieren dabei giftige Stoffwechselprodukte, die sich übers Blut im Körper verteilen und die Abwehr in Daueralarm versetzen.

Eine Wurzelbehandlung, die Entfernung kranker Weisheitszähne oder eine Kariestherapie lässt meist auch quälende Kopfschmerzen verschwinden.

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