Wer vom Ginseng isst, so hieß es in Ostasien schon vor 2000 Jahren, wird ein langes, glückliches und gesundes Leben führen. Der Glaube an die Kräfte, die in der filigran geformten Wurzel stecken, machte diese zu einem kostbaren Gut. In ihrer Heimat, den schattigen Gebirgswäldern von Nepal bis zur Mandschurei, wogen Händler die seltene Pflanze einst sogar mit Gold und Silber auf.

Europäer kennen den Ginseng seit dem 17. Jahrhundert. Die hohe Wertschätzung, die man ihm auch hier entgegenbrachte, schlug sich in seinem wissenschaftlichen Namen Panax ginseng nieder, der an die allheilende griechische Göttin Panacea erinnert.

Die Pflanze aus der Familie der Araliengewächse, zu denen auch der Efeu gehört, wird heute überwiegend in Korea, Nordchina, dem östlichen Russland und in Japan angebaut. Mit etwas Fantasie erinnern die Wurzeln an die menschliche Gestalt, was im Chinesischen zu der Bezeichnung „Jen Shen\“ führte – übersetzt: „Menschenwurzel\“. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn flinke Hände die Seitenwurzeln und dünnen Wurzelenden mit dem Hauptteil zu puppenähnlichen Gestalten formen.

Je nach Art der Weiterverarbeitung entstehen aus der frisch geernteten Pflanze weiße oder rote Kraftwurzeln: Beim direkten Trocknen bleibt die helle Farbe erhalten. Wirkt zuvor Wasserdampf auf das Naturprodukt ein, entsteht das charakteristische Rot. In ihrem Wirkstoffgehalt unterscheiden sich die rote und die weiße Ginseng-Wurzel nicht, das entscheidende Qualitätsmerkmal ist allein die Reifezeit.

Ginseng wird in der traditionellen chinesischen Medizin vorbeugend eingesetzt. Nach den Maßstäben der westlichen Medizin, die sich überwiegend als „Reparaturmedizin\“ versteht, lässt sich deshalb die Wirkung von Ginseng nur schwer bewerten.

Aus diesem Grund ist die Wirksamkeit hierzulande umstritten. Einig sind sich die Experten jedoch, dass die wichtigsten Inhaltsstoffe der Pflanze die Ginsenoside sind. Die Ernte der bis zu 20 Zentimeter langen Wurzeln beginnt frühestens ab dem vierten Jahr, da sonst der Wirkstoffgehalt zu gering ist. Diesen Substanzen aus der Gruppe der Saponine schreibt man eine regulierende Wirkung auf Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte zu. Ein streng wissenschaftlicher Nachweis steht bisher zwar noch aus, mögliche positive Effekte können aber auch nicht ausgeschlossen werden.

Wie die Erfahrung zeigt, stärken Ginseng-Extrakte bei Schwächegefühl und helfen bei Erschöpfungszuständen. Vor allem ältere Menschen erhoffen sich von der Einnahme eine Steigerung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit. Auch die Merkfähigkeit, das Reaktionsvermögen sowie die psychische Ausdauer sollten sich verbessern. Aus diesem Grund setzen jüngere Menschen und Leistungssportler ebenfalls auf Ginseng-Präparate.

Einen anregenden Effekt hat Ginseng auch auf das Immunsystem. Er stärkt die Abwehrkräfte und macht widerstandsfähiger gegenüber Erkältungen und anderen Infekten. Die Kraftwurz soll sogar Krebspatienten nützen. Das Naturmittel kann keinesfalls die medizinische Behandlung ersetzen, lindert aber Begleiterscheinungen und kann zu einer schnelleren Genesung beitragen. In Studien hat sich eine regenerierende Wirkung auf das Blut und die Gefäße nach Tumoroperationen, Chemotherapien und Strahlenbehandlungen gezeigt. Zudem sollen Ginseng-Extrakte die Wirksamkeit von krebshemmenden Mitteln steigern. Patienten sollten jedoch auf alle Fälle ihren Arzt informieren.

Hochwertige Präparate gibt es in der Apotheke als Dragees oder Kapseln sowie in Form getrockneter Wurzelstückchen. Da Ginseng auch „unter die Haut\“ geht, haben sich Salben und entsprechende Pflegemittel bei Schuppenflechte, Neurodermitis oder Ekzemen bewährt.

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