Es passiert nach einem Schluck Milch, einem Löffel Sahne oder nach dem Eisessen: Plötzlich bekommt man Magen-Darm-Beschwerden, auch Kopfschmerzen sind möglich. Was nach einer Infektion aussieht, liegt in Wirklichkeit häufig an einem harmlosen Stoff: Milchzucker (Laktose). Etwa 12 Millionen Deutsche leiden an einer Milchzucker-Unverträglichkeit (Laktose-Intoleranz). Der Stoff kommt aus Kuhmilch, steckt auch in Milchprodukten und vielen anderen Lebensmitteln, z. B. Wurst. Die häufigsten Beschwerden: Unangenehmes Aufstoßen, Übelkeit, Völlegefühl, Blähungen, krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall.

Betroffene können den Milchzucker nicht verdauen. Ihnen fehlt in der Dünndarm-Schleimhaut das Verdauungsenzym Laktase. Das spaltet normalerweise den Milchzucker in Traubenzucker und Galaktose auf, die dann ins Blut gelangen und vom Körper verwertet werden. Der Enzym-Mangel ist meist angeboren. In wenigen Fällen entsteht ein vorübergehender Mangel durch eine Magen-Darm-Infektion.

Fehlt Laktase, bleibt der Milchzucker im Darm, bindet Wasser, löst Durchfall aus. Zusätzlich vergären Darmbakterien den ungespalteten Zucker, dabei entstehen Gase (Blähungen).

Die Beschwerden sind normalerweise nicht gefährlich, treten nach 30 Minuten bis 2 Stunden auf. Wie heftig sie sind, hängt davon ab, wie viel Laktose Betroffene jeweils vertragen. Manche können ohne Probleme ein Glas Milch trinken, andere kriegen schon Durchfall, wenn sie nur ein kleines Stück Käse gegessen haben.

Wer immer wieder Magen-Darm-Probleme hat, sollte ein bis zwei Wochen ein Ernährungstagebuch führen: Was habe ich gegessen und getrunken? Wie habe ich mich danach gefühlt? Welche Beschwerden hatte ich? Wann genau traten sie auf?

Diese Angaben sind eine Hilfe für den Hausarzt bei der Beurteilung. Er kann bei Verdacht auf Laktose-Intoleranz auch zu einem Magen-Darm-Spezialisten (Gastroenterologen) überweisen. Denn der hat am meisten Erfahrung mit Laktose-Intoleranz und kann weitere gezielte Tests machen: Es gibt einen Laktose-Belastungstest mit mehreren Blutabnahmen und einem Atemtest. Für beide müssen die Patienten eine Milchzucker-Lösung trinken, das kann Beschwerden verursachen. Eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Dünndarm kann schmerzhaft sein. Einige Ärzte setzen einen einfacheren, schmerzlosen Test ein. Dabei wird ein Abstrich von der Wangenschleimhaut für Labor gemacht.

Patienten müssen Milchzucker vermeiden. Das ist nicht einfach, denn Laktose kann z. B. auch in Würstchen, Süßigkeiten, Backwaren und Medikamenten (vor allem Tabletten) stecken. Bei unverpackten Lebensmitteln die Verkäufer fragen. Bei verpackten Lebensmitteln die Zutatenliste genau lesen. Viele Angaben weisen auf Laktose hin, z. B. Molke, Molkepulver, Magermilchpulver, Zuckerstoffe.

Das Problem: Wenn man Milch und Milchprodukte meidet, droht Kalziummangel. Dieser Mineralstoff ist wichtig für das Immunsystem und feste Knochen. Joghurt und Kefir enthalten zwar auch Laktose, aber Betroffene können diese Produkte meist noch vertragen. Denn sie liefern zusätzlich Laktobazillen. Diese Bakterien helfen, Milchzucker zu verdauen. Man kann auch etwas Milch zur Hauptmahlzeit probieren, das ist häufig noch verträglich. Reife Hartkäsesorten wie z. B. Emmentaler sind unbedenklicher als junger Käse.

Gute Kalziumlieferanten sind Brokkoli, Lauch/Porree, Soja-Milch, Tofu, Mandeln Haselnüsse, Mineralwasser mit über 100 mg Kalzium pro Liter (Etikett beachten).

Inzwischen wurde ein Arzneimittel gegen Laktose-Intoleranz zugelassen. (TilactaMed Kautabletten, rezeptfrei in der Apotheke). Es liefert das fehlende Enzym und wird zum Essen genommen. Das ist vor allem wichtig im Auslandsurlaub, wenn man die Zutatenlisten auf verpackten Lebensmitteln nicht lesen und im Restaurant nicht nachfragen kann.

Weitere Infos zu Laktose-Intoleranz bietet das Deutsche Ernährungsberatungs- und Informationsnetz (DEBInet) im Internet an: www.ernaehrung.de.

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