Wer einigermaßen schlank ist und äußerlich gut in Form, gilt gemeinhin auch gesundheitlich als topfit. Nur Fettleibige, so lautet ein verbreitetes Vorurteil, erkranken an Bluthochdruck, Diabetes oder Schlaganfall.

Doch neuere Untersuchungen zeigen, dass das Körperfett allein nicht das Maß für Gesundheit und Fitness ist. Auch wer normalgewichtig ist, trägt möglicherweise verstecktes Fett mit sich herum. Es lagert häufig nicht in sichtbaren Speckrollen direkt unter der Haut („subkutan\“), sondern als „viszerales\“ Fett in tief verborgenen Depots im Bauchraum und im Bereich der inneren Organe. Auch für schlanke Menschen kann Fett zum Gesundheitsrisiko werden.

Und noch ein Missverständnis gilt es aus dem Weg zu räumen: Fettes Essen macht nicht automatisch dick. Der Körper verwandelt Speisefette nicht zwangsläufig in Speckröllchen. Wer schwer arbeitet oder beim Sport viel Energie verbraucht, darf auch reichlich Olivenöl über den Salat gießen. Denn Fett ist ein wichtiger Nährstoff für unseren Organismus.

Seine negativen Eigenschaften kommen erst zum Tragen, wenn wir es langfristig im Übermaß verzehren. Dann „verbrennt\“ es der Körper nicht zur Energiegewinnung, sondern deponiert den Bio-Treibstoff als Reserve für Notzeiten. Fettgewebe ist das größte hormonproduzierende Organ des Menschen. Vergleichbar mit einer Drüse, greift Fettgewebe in den Stoffwechsel des Organismus ein. So produziert es zum Beispiel Botenstoffe, die chronische Entzündungen fördern und dadurch die Gefäßwände dauerhaft schädigen können.

Das viszerale Fettgewebe birgt besonders große Risiken. Das Reservoir für schnell verfügbare Energie ist sehr stoffwechselaktiv. Es setzt vermehrt Fettsäuren frei. Die in Bindegewebe eingelagerten Fettzellen liegen wie ein Lappen oder eine innere Schürze in der Bauchhöhle auf den Därmen. Von dort gelangen die Fettsäuren direkt in die Leber. Das Blut transportiert sie dann weiter zur Muskulatur.

Im Grunde genommen dient das innere Bauchfett dazu, in Zeiten lebensbedrohlicher Hungersnot besonders schnell Energie zu mobilisieren. Diese Fähigkeit des Organismus hat jedoch im heutigen Alltag, in dem Nahrung ständig verfügbar ist und der Zwang zur körperlichen Bewegung fehlt, seinen Sinn verloren. Die Anlagerung viszeraler Fettmasse geht einher mit einer Verfettung von Muskeln und Leber. Die Fettsäuren wiederum behindern die Aufnahme von Blutzucker in Muskelgewebe und setzen die Wirkung von Insulin herab. Auch der Cholesterinspiegel im Blut steigt. Das heißt: Bauchfett schädigt die Gefäße und begünstigt die Entstehung von Diabetes.

Wie aber können gesundheitsbewusste Menschen selbst feststellen, wie viel Fett sie wo am Leib haben? Eine einfache, aber verlässliche Methode ist die Messung des Taillenumfangs mit dem Maßband. Bei Frauen wird es bei einem Taillenumfang von mehr als 88 Zentimetern, bei Männern bei mehr als 102 Zentimetern kritisch. Höhere Werte gelten als deutliches Zeichen dafür, dass sich beträchtliche Mengen an innerem Bauchfett angesammelt haben. Damit die Messung korrekt ist, sollte das Maßband in der Mitte zwischen dem unteren Rippenbogen und dem Beckenkamm angelegt werden.

In welchen Körperregionen sich Fettdepots anlagern, ist zum großen Teil genetisch bedingt. Männer neigen mehr zu Bauchspeck, Frauen hingegen zu Polstern an Gesäß, Oberschenkeln und Hüften. Das typisch weibliche Fettverteilungsmuster belastet das Herz-Kreislauf-System weniger als der Kugelbauch der Männer.

Ob ein Mensch krankhaft fettleibig ist, hängt außerdem nicht allein von der erblich bedingten Menge der Fettzellen im Körper ab, sondern vor allem von ihrer Größe. Dies belegt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Karolinska-Instituts in Stockholm. Sind die Fettzellen groß und mit Fetten überladen, setzen sie vermehrt ungünstige Botenstoffe und Fettsäuren frei. Gefördert wird dieser Prozess durch Überernährung. Ist der Hunger gestillt, verwandelt der Organismus überflüssiges Fett, aber auch andere Nährstoffe wie Kohlenhydrate und Alkohol in Fettsäuren.

Im Lauf der Evolution hat der menschliche Organismus sinnvollerweise die Fähigkeit erworben, jede verfügbare Kalorie zu nutzen und – falls die Energie nicht unmittelbar benötigt wird – in Form von Fettdepots für schlechtere Zeiten aufzubewahren. Um diese wieder abzubauen, muss der Mensch schlicht mehr Energie verbrauchen, als er aufnimmt. Das kann man durch Bewegung erreichen oder durch Kalorienreduktion. Gerade das besonders gefährliche viszerale Fett schmilzt bei einer Gewichtsabnahme vergleichsweise schneller dahin.

2 Responses to “Gefährliches Körperfett – und wie Sie erfolgreich gegensteuern”

  1. on 02 Sep 2008 at 08:42gizzy

    Danke für diesen interessanten Artikel! Viele, optisch schlanke Menschen, sind sich oft nicht bewusst, dass sie trotz ihres Aussehens gesundheitliche Probleme in Bezug auf fettbedingte Krankheiten bekommen können, wenn sie sich zu wenig bewegen oder sich ungesund ernähren. Da sieht man wieder, dass auch die inneren Werte zählen 😉

  2. on 26 Sep 2008 at 14:50Moderator

    Da kann ich Dir nur zustimmen!

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