Zilgrei ist ein Kunstwort. Es setzt sich aus den ersten Buchstaben der Nachnamen der Yoga-Expertin Adriana Zillo und des Manualtherapeuten Dr. Hans Greissing zusammen. Die beiden entwickelten vor 30 Jahren gemeinsam diese Selbstbehandlungsmethode. Es geht dabei um kleine einfache Bewegungen, klare Körperhaltungen und um tiefe Bauchatmung. Die Bauchdecke soll sich beim Einatmen spürbar nach außen wölben, beim Ausatmen nach innen. Auf jedes Ein- und jedes Ausatmen in der entsprechenden Position folgt eine Pause von bis zu fünf Sekunden. Das bringt Ruhe. Langsames, tiefes Luftholen regt zudem die Wirbelsäule zu winzigen Bewegungen an. Gleichzeitig massiert dabei das Zwerchfell die Eingeweide. Muskuläre Verspannungen im Bauchraum können dadurch zumindest beeinflusst werden. So soll die Atmung Verkrampfungen lockern, innere Unruhe lösen und das Gewebe besser durchbluten. Während dieser speziellen Atemfolge nimmt der Ausführende keine neuen Haltungen ein – es sei denn, die Selbstbehandlung verlangt ausdrücklich danach.

Eine besondere Rolle spielen im Zilgrei die Gegenbewegungen: Tut es links weh, fühlt sich die Ausführung auf der rechten Seite meist angenehmer an. In diese freiere Richtung übt der Teilnehmer nach einem kurzen Test, den Zilgrei-Lehrer Selbstuntersuchung nennen. Man versucht, die Position herauszufinden, die keine oder geringere Beschwerden verursacht. Welche Aktion Schmerzen hervorruft, weiß man als Betroffener meist genau. Im Zilgrei geht die Bewegung deshalb in die entgegengesetzte Richtung, sozusagen zur „Schokoladenseite\“ hin.

Dem Mediziner und Psychotherapeuten Jürgen List gefällt die Methode, weil seine Patienten sie schon nach kurzer Anleitung eigenständig gegen ihre Beschwerden anwenden können. Dann bittet er sie, Haltungen und Atemtechnik zwei Wochen lang täglich zu üben, und lässt sich später berichten, inwieweit das Erleichterung gebracht hat. Vielleicht weil sich die Menschen danach „frei wie ein Vogel\“ fühlen sollen, gaben die Entwickler von Zilgrei den verschiedenen Positionen Vogelnamen wie Schwan, Eisvogel und Kuckuck.

Zilgrei soll bei verschiedenen Beschwerden nützlich sein, etwa bei Kopfschmerzen, die von der Wirbelsäule oder vom Kiefergelenk ausgehen, und bei Rückenschmerzen. Daneben kann es Arm-, Schulter-, Nacken- und Beinbeschwerden lindern. Die Methode hilft auch bei gestörter Darmfunktion und gegen Alltagsstress; in der Geburtshilfe setzen Hebammen sie schon seit Jahren ein.

Wer Zilgrei ausprobieren möchte, sollte vorher seine Symptome beim Arzt abklären lassen. Das fordern auch die Experten. „Je nach Beschwerden wähle ich die passende Therapie. Da gibt es auch gute andere Mittel und Verfahren\“, erzählt List. „Niemand darf Wunder erwarten. Eine wesentliche Voraussetzung ist die konsequente Selbstbehandlung.\“ Kurse bieten Volkshochschulen oder anerkannte Zilgrei-Lehrer an. Sechs Abende kosten zwischen 35 und 65 Euro, eine Einzelsitzung kommt auf rund 40 Euro.

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