Mit China hat der Name Chinarindenbaum nichts zu tun. Die Bezeichnung geht zurück auf das altperuanische Wort Kina-kina, übersetzt bedeutet das etwa „Rinde der Rinden\”. Die Pflanze enthält neben anderen Wirkstoffen vor allem Chinin, das Schmerzen lindert und Fieber senkt.
Ursprünglich war der bis über zehn Meter hohe Baum in den Bergregionen Südamerikas heimisch; heute wird er in vielen tropischen Regionen angepflanzt. Die Ernte der begehrten Rinde funktioniert so ähnlich wie bei der Korkeiche. Man schneidet sie ringförmig ein und streift sie dann ab. Den Baum schädigt das nicht – er wächst ganz normal weiter.
Von den 40 bekannten Arten weist der Gelbe Chinarindenbaum den höchsten Gehalt an Chinin auf. Früher war diese Pflanze in Europa selten. Die Jesuiten hatten ein Monopol darauf und kontrollierten die Verteilung streng. Nur Eingeweihte wussten, dass das wundersame Pulver aus einer Baumrinde gewonnen wird. Der Bedarf war damals groß, denn Chinarinde war lange Zeit das einzige bekannte Mittel gegen Malaria. Erst zur Zeit Bismarcks wurde Chinin zu einem Heilmittel für alle.
Nicht nur zum Fiebersenken wurde das Pulver geschätzt. Kranke hofften auch auf Hilfe bei Pocken, Masern oder Eingeweidewürmern. Noch vor rund hundert Jahren wendete man Chinarinde zudem bevorzugt an bei Asthma, Infektionskrankheiten wie Grippe oder Keuchhusten sowie zur Wunddesinfektion. Das Mittel sollte zudem der Syphilis vorbeugen, das Haar pflegen und vor Kahlköpfigkeit bewahren.
Um 1800 läutete Chinarinde die Geburtsstunde der Homöopathie ein. Mithilfe der Pflanze erforschte der deutsche Arzt Samuel Hahnemann das Prinzip des Heilverfahrens. Im Selbstversuch nahm er Chinarinde ein, was bei ihm Symptome der Malaria hervorrief. Im Umkehrschluss vermutete er, das Pulver könne Malaria-Kranken helfen. Heute weiß man, dass das Chinin aus der Chinarinde tatsächlich Malaria-Erreger abtötet.
In der modernen Homöopathie haben Tinkturen aus Chinarinde ihren festen Platz, wenn auch mit einem anderen Einsatzgebiet. Sie werden als Polykraft und typisches Frauenmittel verwendet. Sie können bei ganz verschiedenen Leiden helfen: von Erschöpfung bis hin zu Kopfweh. In den 1930er Jahren rückte der schmerzlindernde Effekt des Chinin in den Blickpunkt. Heute setzt man es erfolgreich gegen nächtliche Wadenkrämpfe ein.

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