Schon in Homers „Odyssee“ findet Schwefel Erwähnung: als Medizin zur Behandlung von Wahnvorstellungen. Später nutzten die Römer Sulfur, so der lateinische Name, als Zusatz bei Mineralbädern für Rheuma-Geplagte. Die Ärzte des Mittelalters priesen ihn als Heilmittel gegen alle möglichen Leiden von der „Anschwellung des Bauches“ bis zum Gelenkschmerz. In der klassischen Homöopathie spielt Schwefel ebenfalls eine wichtige Rolle.
Heute wird das „gelbe Element“ außerhalb der Naturheilkunde nur noch selten genutzt, und zwar fast ausschließlich in der Dermatologie. Unter Pharmakologen ist die Wirkung von Schwefelsalben und –tinkturen jedoch durchaus umstritten. Wie jeder Stoff, der als Medikament eingesetzt wird, wurde auch der Schwefel zur Arzneimittelzulassung amtlich auf seine gesundheitliche Unbedenklichkeit und Wirksamkeit hin überprüft. 1993 kam das zu diesem Zweck bestellte unabhängige Gremium zu dem Urteil, dass der Schwefel als Mittel zur Hautbehandlung zwar nur geringe Nebenwirkungen besitzt, seine Wirkung aber nicht ausreichend belegt ist. Dabei wurden allerdings strenge Forderungen an den Wirkungsnachweis gestellt und nicht alle Einsatzgebiete getestet. So schließt eine Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft Schwefel als mildes Krätzemittel für Kinder und Schwangere zwar nicht aus, sie gibt aber auch keine Empfehlung für Schwefel ab.
Positiv bewerten Experten die Wirkung von Schwefelbädern (Sulfidbäder). Einige homöopathische Mittel ausgenommen, sind sie das einzige Fertigarzneimittel, in dem Schwefel noch enthalten ist – Salben muss man sich vom Apotheker mischen lassen. Eingesetzt werden die Bäder gegen Schuppenflechte und chronische Ekzeme, denn das schwefelhaltige Wasser löst die obersten Hautschichten ab und fördert die Durchblutung. Der in den Bädern gelöste Schwefelwasserstoff kann Körperzellen und –gewebe sehr schnell durchdringen. In der Haut beeinflusst er Abwehr- und Entzündungsvorgänge, was die Wirkung bei Gelenkbeschwerden und entzündlichen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Akne oder seborrhoischer Dermatitis erklärt. Den Effekt machen sich auch schwefelhaltige Kosmetika zunutze.
Ein schwerwiegender Nachteil der Schwefelwasserstoff-Bäder ist ihr übler Geruch, der an faule Eier erinnert. Doch nur in dieser Form kann der Schwefel in die Haut eindringen und seine Wirkung entfalten. Ideal ist der Schwefelwasserstoffgehalt, wenn der Säuregehalt des Bades dem der Haut entspricht. Doch dann riecht es leider kräftig. Für Haut- und Gelenkpatienten heißt es in diesem Fall nur: Nase zu und durch.

One Response to “Schwefel gegen Hautkrankheiten”

  1. on 22 Feb 2010 at 07:20ann k.

    Sehr interessante Information. Vielen Dank für den ausführlichen Artikel.

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