Mit üppigem Grün und röhrenförmigen Blüten in Rot, Blau, Violett oder Gelb setzt der gut ein Meter hohe Beinwell bunte Farbtupfer in die Landschaft. Auffällig sind auch die langen, lanzettförmigen Blätter. Ihre steifen Blatthaare fühlen sich rau und borstig an, was die Zugehörigkeit zur botanischen Familie der Raublattgewächse erklärt.
Beinwell besitzt als Heilmittel eine lange Tradition. Er gehört zu den Arzneipflanzen, die bereits in der antiken Medizin eingesetzt wurden. Man empfahl Beinwell damals vor allem zur Behandlung von Brüchen, Quetschungen, Verrenkungen und zur Wundheilung, später auch bei Lungenerkrankungen. In der Hoffnung, dass dadurch Wunden besser heilen, empfahl der griechische Arzt Pedanius Dioskurides im ersten Jahrhundert nach Christus, Verletzungen mit der Arzneipflanze zu behandeln. Paracelsus und Hildegard von Bingen, die beide im Mittelalter lebten, schätzten den Beinwell als Mittel bei Knochenbrüchen. Daher kommt auch der Name: „Bein“ bezieht sich auf die Knochen (Gebeine), und „wellen“ oder „wallen“ bedeutet zusammenwachsen.
In der Medizin wird heute vor allem der frische oder getrocknete und zerkleinerte Wurzelstock verwendet. Präparate daraus benutzt man bei Muskel- und Gelenkschmerzen sowie unblutigen Verletzungen, etwa Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen. Bei Sprunggelenksverletzungen zeigte eine aus Beinwell-Extrakt hergestellte Zubereitung sogar eine bessere Wirkung als ein synthetisches Vergleichspräparat. Aus diesem Grund wurde die Heilpflanze besonders für Sportler zu einem beliebten Mittel.
Der heilende Effekt beruht auf einem Zusammenspiel der Inhaltsstoffe Allantoin, Cholin und Rosmarinsäure sowie Schleim- und Gerbstoffen. Allantoin als Hauptwirkstoff regt die Zellteilung an und fördert die Gewebeneubildung. Auf die Haut aufgetragen, unterstützt die Substanz außerdem die Heilung bei stumpfen Verletzungen. Cholin regt die Durchblutung an und verhindert, dass sich Ödeme bilden. Der entzündungslindernde Effekt der Rosmarinsäure trägt ebenfalls zur Arzneiwirkung bei.
Das Heilkraut enthält neben den zahlreichen erwünschten Stoffen in geringer Menge auch giftige Pyrrolizidinalalkaloide. Sie zeigten an Ratten leberschädigende und krebserregende Eigenschaften. Diese treten aber nur bei einer längerzeitigen inneren, nicht jedoch bei einer äußerlichen Anwendung zutage. Dennoch sollte die Anwendung der Beinwellwurzel in Umschlägen aus Sicherheitsgründen auf höchstens vier bis sechs Wochen im Jahr beschränkt bleiben. Bei Fertigpräparaten mit Beinwell aus der Apotheke sind die bedenklichen Stoffe dagegen weitgehend entfernt. Hier kann der Patient die Dauer der Therapie mit dem Arzt oder Apotheker besprechen.

Comments are closed.

Impressum
Nutzungsbedingungen