Die blühenden Leinfelder setzen nun wieder blaue Farbtupfer in die Landschaft. Doch nicht nur für das Auge hat die Pflanze etwas zu bieten: Die ölhaltigen Samen und die kräftigen Fasern machten den Lein, auch Flachs genannt, schon früh zu einem wertvollen Kulturgut. Bereits vor 6000 Jahren schätzten ihn die Ägypter und Mesopotamier als Faserlieferanten für Kleiderstoffe. Die Kelten brachten ihn nach Mitteleuropa, wo er sich in der Bronzezeit rasch ausbreitete. Erst mit dem Beginn des Fernhandels in der frühen Neuzeit verdrängte ihn die weitaus billigere Baumwolle.
Heute entdeckt man den Lein im Zuge der Biowelle als Naturmaterial wieder. Auch als Heilmittel feiert er sein Comeback. Medizinische Bedeutung haben vor allem die Samen. Sie enthalten neben reichlich Fettsäuren Schleim- und Ballaststoffe sowie Proteine und Zuckerverbindungen. Je nach Pigmentgehalt sind die flachen, eiförmigen Körner glänzend braun bis weißlich-gelb gefärbt. Bis zu zehn davon stecken in jeder der zwiebelförmigen Kapselfrüchte.
Leinsamen helfen bei verschiedenen Beschwerden. Gegen Verstopfung nutzt man die in der Schale enthaltenen Schleimstoffe. Diese quellen auf und vergrößern damit den Darminhalt. In der Apotheke gibt es Präparate, die sich durch ihr besonders hohes Quellvermögen auszeichnen. Der Dehnungsreiz der gequollenen Samen sorgt für eine schnellere und leichtere Stuhlentleerung, die abführende Wirkung tritt nach etwa 12 bis 24 Stunden ein. Nebenbei verbessern die Fette aus dem Leinsamen die Gleitwirkung, und auch die Darmmotorik kommt in Schwung.
Umstritten ist die Frage, ob man Leinsamen besser im Ganzen anwenden soll oder geschrotet, also grob zerkleinert. Die Körner weisen einen hohen Fettanteil auf. Diese Energie steht zur Verfügung, wenn man Leinsamen geschrotet einnimmt. Bei der empfohlenen Höchstmenge von zwei Esslöffeln pro Tag sind das etwa 120 Kilokalorien zusätzlich. Also doch lieber die ganzen Körner verwenden? Dem steht entgegen, dass die darin enthaltenen Fettsäuren sehr gesund und geschroteter Lein auch stärker quillt. Patienten sollten sich in ihrer Apotheke beraten lassen, da es keine Pauschallösung gibt. Nur für Übergewichtige gilt die Empfehlung, die Körner eher im Ganzen anzuwenden, um Kalorien zu sparen. Wer sich für geschrotete Leinsamen entscheidet, sollte sie stets kühl aufbewahren. Denn die Fettsäuren werden in der Wärme leicht ranzig.
Für die Schleimstoffe der Leinsamen interessieren sich Mediziner noch aus einem anderen Grund: In ihrer Zusammensetzung ähneln sie der obersten Schicht auf der Magenwand. Bei Erkrankungen und Entzündungen der Magenschleimhaut lindern sie deshalb die Beschwerden.
Patienten mit Gastritis können vorbeugend täglich mit der gewohnten Nahrung Leinsamen zu sich nehmen. Eine spezielle Zubereitung lässt sich herstellen, indem man die Körner mit reichlich kaltem bis lauwarmem Wasser ansetzt, über Nacht stehen lässt und morgens abseiht. Bei der Einnahme von Leinsamen sollte ein Abstand von 30 bis 60 Minuten zu Medikamenten eingehalten werden.

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