Botanisch gehört die Wiesenschlüsselblume zur Gattung der Primeln, die ungefähr 400 Arten umfasst. Sehr eng verwandt mit ihr ist die Gartenprimel, die ihren ersten Boom als Zierpflanze bereits vor bald 200 Jahren im Biedermeier erlebte. Schier unendlich scheint die Zahl ihrer Variationen in Rot, Gelb, Violett und Weiß. Im Garten kreuzen sich Primeln untereinander, so dass ständig neue Varianten entstehen. Auch Mischungen mit Wildformen können auf diese Weise entstehen, etwa eine rot blühende Schlüsselblume.
Als Heilpflanzen interessant sind die gelb blühende Wiesenschlüsselblume (Primula veris) und die etwas höher wachsende, hellgelbe Waldschlüsselblume (Primula elatior). Ihre deutschen Namen verdanken sie der Form ihrer Blüten: Die herabhängenden Kelche sehen am Stängel aus wie ein Schlüsselbart. Dies regte zur Bildung von Legenden an.
So soll zum Beispiel dem heiligen Petrus der Schlüssel zum Himmel auf die Erde gefallen sein. An der Stelle, an der er auftraf, wuchs der erste \“Peters-Schlüssel\“.
Älter ist sicher die Bezeichnung Himmelschlüssel. Damit verbindet sich die Vorstellung, dass die Schlüsselblume den Himmel aufschließt. Denn vom Zeitpunkt ihrer Blüte an wird es immer heller.
Als Himmelschlüssel erscheint Primula veris auch zum ersten Mal in einem medizinischen Lehrwerk – allerdings erst verhältnismäßig spät. Soweit bekannt ist, wurde die Pflanze in der Antike nicht medizinisch verwendet. Auch in den wenigen Überlieferungen des frühen Mittelalters wird die Schlüsselblume nicht erwähnt. Erst bei Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) taucht sie zum ersten Mal auf. Die Äbtissin empfiehlt, die Blüten auf das Herz des Schwermütigen zu legen. Warm und voller Frühlingssonne, seien sie in der Lage, \“Luftgeister\“ zu vertreiben, die den Kranken in den Wahnsinn treiben wollen. Darüber hinaus beschreibt sie den Einsatz bei Lähmungen.
In der Volksmedizin wurde die Schlüsselblume bei Beschwerden wie Schlaganfall, Arthrose, Rheuma und Gicht eingesetzt. Die Blätter waren in dieser Zeit nicht nur Medizin, sie wurden auch gegessen. Am Ende des Winters, wenn die Vorräte zu Ende gingen, verfeinerten sie als frische Zutat Salate und Suppen.
Ab 1800 begannen Forscher systematisch alle Pflanzen auf mögliche medizinisch bedeutsame Inhaltsstoffe zu untersuchen. Interessanterweise blieb die Anwendung der Heilpflanze bei Bronchitis und Keuchhusten jedoch lange unbekannt. Diese Wirkung wurde erst vor ungefähr hundert Jahren entdeckt. In Wurzeln und Blüten der Schlüsselblumen fanden sich sogenannte Saponine. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus vielen Substanzen. Welche von diesen wie wirken, ist noch nicht geklärt. Bisher nahmen Wissenschaftler an, dass sie im Magen einen Reflex auslösen, der in den Bronchien zur Bildung schleimverflüssigender Stoffe führt. Neue Erkenntnisse über Saponine aus anderen Pflanzen, zum Beispiel Efeu, legen den Schluss nahe, dass die Primel auch in den Bronchien direkt eine Verflüssigung des Schleims bewirken kann.
Wie dem auch sei, Schlüsselblume sollte in keinem Hustentee fehlen. Besonders wirksam ist die Mischung mit Thymian. Dessen ätherische Öle führen dazu, dass der verflüssigte und gelockerte Schleim abtransportiert wird.
Tee und Arzneimittel auf der Basis der Schlüsselblume erhalten Sie in der Apotheke. Auf keinen Fall sollten Sie die Blüten hingegen selbst pflücken oder die Wurzeln ausgraben. Denn die intensive Landwirtschaft hat die hübschen gelben Frühlingsblüher, die von Zentral- über Vorderasien bis nach Westeuropa heimisch sind, vielerorts verdrängt. Sie stehen unter Naturschutz, damit sich auch zukünftige Generationen am Anblick einer mit Schlüsselblumen übersäten Frühlingswiese freuen können.

One Response to “Schlüsselblume – Helfer gegen Bronchitis und Husten”

  1. on 24 Jul 2008 at 10:31Miriam

    Ausser Schlüsselblumen kann ich noch eine weitere Möglichkeit bei Erkältungskrankheiten und Bronchits empfehlen. Es ist das pflanzliche Medikament Umckaloabo. Informationen darüber findet man hier: http://umckaloabo.de
    Eine gute Gesundheit an alle!
    Miriam

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