Experten bezweifelten lange, dass es das prämenstruelle Syndrom (PMS) überhaupt gibt – obwohl jede dritte Frau im gebärfähigen Alter davon betroffen ist. Als Unpässlichkeit verharmlost oder sogar als Scheinkrankheit abgetan, wurde es weder behandelt noch erforscht. Dabei war das Beschwerdebild schon in der Antike beschrieben worden. Vor fast 2500 Jahren beobachtete der griechische Arzt Hippokrates Verstimmungen während des weiblichen Zyklus, die er dem „verhinderten Abfluss des Menstruationsblutes“ zuschrieb. Dass sich die Frauenärzte der Gegenwart ernsthaft mit diesen Beschwerden beschäftigen, ist noch gar nicht lange her. Ausgehend von den USA, findet der Symptomen-Komplex seit ungefähr zehn Jahren in der Fachwelt Beachtung.
Etwa sechs Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter leiden an einer besonders schweren Form, der sogenannten prämenstruellen Dysphorie (Alltagsverstimmung). Bei ihnen sind die Beschwerden sehr massiv und stören an den Tagen vor den Tagen das Berufs- und Familienleben empfindlich. Einzelne leiden sogar so stark, dass sie vor der Blutung arbeitsunfähig sind.
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe schätzt, dass etwa 30 Prozent der Frauen zwischen 20 und 40 Jahren mittelschwere bis starke prämenstruelle Beschwerden haben, die eine Behandlung erfordern. Bei jeder Frau zeigt sich PMS anders: Während bei manchen Niedergeschlagenheit und Ängste vorherrschen, kämpfen andere vor allem mit körperlichen Beschwerden wie Spannungsgefühlen in den Brüsten und Wassereinlagerungen im Gewebe. Bis zu 200 verschiedene Symptome sind im Zusammenhang mit der Erkrankung beschrieben worden.
Zu den am häufigsten genannten Beschwerden zählen Reizbarkeit, Aggressivität, Depressionen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Heißhungerattacken, Magen-Darm-Beschwerden, Kopf- oder Rückenschmerzen, Krämpfe im Unterleib und Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen. Die Beschwerden treten nur in der zweiten Zyklushälfte auf. Sie können bereits zwei Wochen oder erst wenige Tage vor der Regelblutung beginnen. Bis zu deren Einsetzen verstärken sie sich und klingen danach rasch wieder ab. Im Leben der betroffenen Frauen wechseln somit beschwerdefreie Zyklusphasen und von verschiedenen Symptomen geprägte Phasen einander ab.
Die Frage, wie PMS entsteht, konnten die Forscher bislang nicht eindeutig klären. Fest steht lediglich, dass die Krankheit mit den Hormonschwankungen des weiblichen Zyklus zusammenhängt. Ist dieser nämlich unterbrochen – durch Medikamente, eine operative Entfernung der Eierstöcke, während der Schwangerschaft oder nach der Menopause -, verschwinden auch die Symptome.
In der ersten Hälfte des Menstruationszyklus bildet der Körper verstärkt weibliche Geschlechtshormone, sogenannte Östrogene. In der zweiten Hälfte – nach dem Eisprung – sinkt der Östrogenspiegel, dafür wird das Hormon Progesteron gebildet. Diese Schwankungen sind normal und kennzeichnen jeden weiblichen Zyklus. Bei der Mehrheit der Frauen führen sie zu spürbaren, aber nicht krankhaften Veränderungen. Verbreitet ist etwa eine höhere Empfindlichkeit der Brust in der zweiten Zyklusphase.
Die Behandlung erfolgt symptomorientiert. Da PMS ein ganzes Bündel von Beschwerden umfasst, kann bei der Therapie die Zusammenarbeit des Frauenarztes mit anderen Fachärzten sinnvoll sein. Zum Einsatz kommen je nach Beschwerdebild zum Beispiel Hormonpräparate, stimmungsaufhellende Medikamente wie Johanniskraut oder auch Schmerzmittel.
Präparate mit Mönchspfeffer beeinflussen den Prolaction-Spiegel günstig, der bei vielen Patientinnen eine Rolle bei der Entstehung der Symptome spielt. Wer zu starken Blutungen neigt, verzichtet am besten auf Arzneien mit Acetylsalicylsäure, denn dieser Wirkstoff wirkt blutverdünnend. Medikamente sollten nur in schweren Fällen eingenommen werden. Oft hilft schon eine Änderung des Lebensstils, also mehr Bewegung und gesunde Ernährung.
Empfohlen wird eine salzarme Kost mit viel Eiweiß und reichlich ungesättigten Fettsäuren. Körperliche Aktivität trägt dazu bei, dass Wassereinlagerungen im Gewebe schneller abtransportiert werden. Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Laufen besitzen eine positive Wirkung bei depressiver Verstimmung. Auch Yoga oder psychotherapeutische Unterstützung können eine Alternative zur medikamentösen Behandlung sein.

One Response to “Prämenstruelles Syndrom – Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten”

  1. on 16 Apr 2014 at 10:23doris teske

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