Was macht eigentlich pflanzliche Lebensmittel so gesund? Sicher, Vitamine und Mineralstoffe. Aber nicht nur das. Die sekundären Pflanzenstoffe, die jahrelang ein Schattendasein führten, sind nach heutigem Kenntnisstand das wichtigste Argument für eine pflanzlich betonte Ernährungsweise. Anders formuliert: Von allen in der pflanzlichen Nahrung enthaltenen Wirkstoffen entfalten diese sekundären Pflanzenstoffe in besonderer Weise gesundheitsfördernde Wirkungen. Schätzungsweise gibt es etwa 100 000 verschiedene Substanzen, die zu den „Schutzstoffen“ gehören. Doch was ist das Besondere an ihnen? Warum gibt es sie überhaupt? Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Pflanze selbst vor Feinden zu schützen, etwa vor Insekten oder Schädlingen.
Auch auf den Menschen entfalten sie vielfältige positive Wirkungen. Einiges konnte in den vergangenen Jahren wissenschaftlich nachgewiesen werden.
Sekundäre Pflanzenstoffe – im Englisch übrigens als „phytochemicals“ bezeichnet – wirken krebshemmend und antibakteriell, entfalten also eine Art antibiotische Wirkung. Ihre antioxidativen Wirkungen schützen das Gewebe vor degenerativen Veränderungen, wie sie durch Entzündungen (etwa durch Rheuma) hervorgerufen werden können. Antioxidanzien im chemischen Sinne sind Substanzen, die andere Stoffe vor der Oxidation schützen können. Der künstliche Zusatz von Schwefeldioxid in Lebensmitteln, Arzneimitteln und Kosmetika verhindert deren Zersetzung durch Luftsauerstoff. Kurzum: Antioxidanzien schützen gesundes Gewebe. Als klassische Antioxidanzien gelten vor allem die Vitamine A, C und E. Menschen, die unter hohem Stress oder entzündlichem Rheuma leiden, besonders aber Raucher benötigen vermehrt von diesen Gesunderhaltern. Doch damit immer noch nicht genug. Sekundäre Pflanzenstoffe verhindern auch die Entstehung von Thrombosen und stärken das Immunsystem. Sie entfalten entzündungshemmende Effekte und regulieren den Blutdruck. Ähnlich wie die Ballaststoffe wirken sie blutdruck- und blutzuckersenkend. Und ähnlich wie sie, tragen sekundäre Pflanzenstoffe zu guter Letzt zur gesunden Verdauung bei.
Zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören Karotinoide, Phytosterine, Saponine, Glukosinulate, Polyphenole, Protease-Inhibitoren, Monoterpene, Phytoöstrogene, Sulfide, Phytinsäure – um nur einige Beispiele zu nennen.

  • Die pflanzlichen Farbstoffe der Karotinoide stecken in roten, orangefarbenen und gelben Obst- und Gemüsesorten. Aber auch grüne Gemüsesorten wie Brokkoli, Grünkohl oder Spinat liefern diesen gesunden Stoff aus der Natur. Man sagt Karotinoiden eine antioxidative und krebsvorbeugende Wirkung nach. Sie sollen zudem das Immunsystem stärken und das Herzinfarktrisiko senken.
  • Sonnenblumenkerne, Sesam, Nüsse und Sojabohnen liefern reichlich Phytosterine. Diese können vor Dickdarmkrebs schützen und haben positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel.
  • Bei den Saponinen handelt es sich um Geschmacksstoffe, die vor allem in Hülsenfrüchten und Spinat enthalten sind. Sie stärken die körperliche Abwehr, senken den Cholsterinspiegel und die Darmkrebsgefahr.
  • Glukosinolate sind Aromastoffe, die vor allem in Kohl, Senf und Rettich stecken. Sie schützen vor Infektionen und wirken antikanzerogen.
  • Polyphenole verleihen Pflanzen ihre rote oder violette Farbe. Flavonoide fangen das Wachstum von Bakterien und Viren ab, bewahren die Zellen vor freien Radikalen, schützen vor Krebs und Herzinfarkt, beugen Entzündungen vor und wirken positiv auf die Blutgerinnung. Zu den Polyphenolen gehören Phenolsäuren und Flavonoide. Erstere sind meist als Gerbsäuren in Pflanzen enthalten, sie verleihen einigen den herben Geschmack, z. B. dem schwarzen Tee. Flavonoide sind meist als Farbstoffe in Früchten und Gemüse enthalten. Sie schenken beispielsweise Kirschen, Weintrauben oder Aprikosen ihre Farben.
  • Protease-Inhibitoren finden sich in Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Getreide. Sie tragen dazu bei, den Blutzucker zu regulieren und wirken antikanzerogen.
  • Terpene sind pflanzliche Geschmacksstoffe wie beispielsweise das in Pfefferminzöl enthaltene Menthol oder die ätherischen Öle in verschiedenen Kräutern und Gewürzen. Terpene reduzieren das Krebsrisiko.
  • Phytoöstrogene sind natürliche Pflanzenhormone, die den Sexualhormonen ähneln. Vor allem Getreide, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte liefern diesen gesunden Naturstoff. Phytoöstrogene sollen von hormonabhängigen Krebsarten schützen.
  • Sulfide sind schwefelhaltige Verbindungen, die in Zwiebeln, Lauch, Spargel oder Knoblauch enthalten sind. Sie hemmen das Wachstum von Bakterien, wirken positiv auf den Cholesterinspiegel, schützen den Organismus vor freien Radikalen und können Krebs vorbeugen.
  • Phytinsäure steckt im Getreide, in Hülsenfrüchten und Leinsamen. Sie soll eine schützende Wirkung auf den Darm entfalten.

Diese wichtigen Gesundmacher stecken in unserer Nahrung. Und zwar in Allerwelts-Nahrungsmitteln aus der heimischen Umgebung: täglich verfügbar und preiswert. Gesunde Ernährung kann also durchaus einfach und preiswert sein, entgegen dem, was häufig behauptet wird.

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