Chili lindert Schmerzen

Sie brennen höllisch, wenn man sie in den Mund nimmt: die roten, getrockneten Früchte des Chilistrauchs. Zu Pulver gemahlen, tragen sie auch den Namen Cayennepfeffer. Wegen ihrer legendären Schärfe sind die Schoten als Gewürz heiß begehrt – oder gefürchtet.
Chilis gehören – ebenso wie Tomaten und Kartoffeln – zur Familie der Nachtschattengewächse. Als Pulver sind sie auch von pharmazeutischer Bedeutung. Neben der gängigen Verwendung als durchblutungsförderndes und schmerzlinderndes Mittel greifen Ärzte in Spezialfällen auch bei Störungen der Blasenfunktion nach einem Schlaganfall oder bei der Behandlung der multiplen Sklerose darauf zurück. Unter den Inhaltsstoffen sind die scharf machenden Capsaicinoide für Pharmakologen interessant, vor allem das Capsaicin.
Ob und wie scharf etwas ist, beurteilt jeder Mensch anders. Die Maßeinheit dafür sind „Scoville“; die Skala reicht von 0 (keine Schärfe, etwa Gemüsepaprika) bis 16 000 000 (reines Capsaicin in Kristallform). Capsaicin bindet an bestimmte Nervenfasern, die Schmerz- und Hitzegefühle erzeugen. Es sensibilisiert die Nerven, so dass man schon die eigene Körpertemperatur als brennend heiß empfindet. Die Folge ist ein Hitzeschmerz. Indirekt kann Capsaicin dadurch schmerzlindernd (analgetisch) wirken. Die Substanz hinterlässt eine Desensibilisierung der Nerven. Sie sind nun gegen weitere Hitzeschmerzreize unempfindlich geworden. Diesen Effekt kennt jeder, der regelmäßig scharf gewürzte Gerichte zu sich nimmt: Mit der Zeit brennt es immer weniger.
Zum Einsatz kommen Capsaicin und chemisch ähnliche Stoffe wie Nonivamid häufig in Wärmepflastern und –salben. Solche Pflaster enthalten neben Capsaicin auch Substanzen aus Arnika und Belladonna als Wirkstoffe. Sie helfen bei Muskelverspannungen, Hexenschuss oder rheumatischen Beschwerden.
Capsaicin kann Beschwerden lindern, bei denen andere Arzneistoffe versagen. Grund ist der gänzlich andere Wirkmechanismus. Eine Überdosierung kann aber die Nerven dauerhaft schädigen. Patienten sollten sich daher genau an die Dosierungsvorschriften halten. Auch bei Hautreaktionen wie der Bildung von Quaddeln ist die Behandlung abzubrechen.

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