In unseren Breitengraden sind Rezepte aus der Volksmedizin überliefert, die vor allem auf die heilende Wirkung der Nadeln setzen, wie etwa \“Tannenwipfelhonig\“ – ein Sirup aus frischen grünen Tannentrieben, der ein beliebtes Hausmittel gegen Husten ist. Auch der Sud von abgekochten Fichtennadeln soll als Tee bei Erkältungskrankheiten helfen oder als Badezusatz gegen Muskel- und Gelenkschmerzen.
Als Inhaltsstoffe von Arzneimitteln, Kosmetik- und Wellnesspräparaten sind Nadelbaum-Essenzen bis heute beliebt. Kaum ein Erkältungsbad oder Inhalationsbalsam kommt ohne die wohlriechenden ätherischen Öle von Kiefern oder Fichten aus. Sogar Hustenbonbons mit Latschenkiefernöl finden sich in der Produktpalette mancher Hersteller.
Was unsere Vorfahren aus Erfahrung wussten, haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahrzehnten durch Studien bestätigt: Ätherische Öle von Latschen und anderen Nadelbäumen wirken schleimlösend sowie auswurffördernd und helfen, Entzündungen zu lindern. Äußerlich angewendet, regen sie den Stoffwechsel und die Durchblutung der Haut an. Das erklärt, weshalb das Öl der Latschenkiefer bei der Behandlung von Rheuma- und anderen Schmerzen hilft – etwa als Bestandteil von Franzbranntwein, Rheumasalben, Fußpflegeprodukten oder Massageölen. Der wohltuende Geruch der Nadeln, der sich beim Einreiben – oder beim Baden und Duschen – entfaltet, ist dabei ein willkommener Nebeneffekt. Denn über die Nase wirken sich die Stoffe auch positiv auf unsere Gefühlswelt aus.
Für manche Organismen, besonders Bakterien und Pilze, kann der Kontakt mit diesen Ölen tödlich sein. Wie sehr die Duftstoffe das Wachstum von Mikroben beeinflussen können, veranschaulichen Forscher im Labor mit dem sogenannten Hemmhoftest: Dazu verteilen sie Mikroorganismen auf einem Nährboden und legen anschließend ein kleines Filterpapier in die Mitte, das mit einem ätherischen Öl getränkt ist. Je stärker dessen antibakterielle Wirkung, umso größer ist der Bereich rund um das Papierblättchen, in dem die Mikroorganismen nicht wachsen.
Auch wenn Nadelbäume nicht die stärksten Desinfektionsmittel liefern, zeigen ihre ätherischen Öle durchweg eine gewisse Wirkung gegen Mikroben. Ein Saunaaufguss mit ätherischen Ölen von Nadelbäumen tötet Keime auf der Haut und trägt sicherlich zum Desinfizieren des Raums bei.
Doch Anwendungen mit ätherischen Ölen empfehlen sich nicht für jedermann. Manche Menschen reagieren überempfindlich darauf. Patienten mit Hauterkrankungen oder Verbrennungen sollten sich besser nicht mit entsprechenden Produkten pflegen. Bei Asthma, Lungenentzündung oder Keuchhusten können die Öle die Schleimhäute zusätzlich reizen und so die Krankheitssymptome verstärken.
Für Kleinkinder können ätherische Öle sogar sehr gefährlich werden. Wenn die Kleinen die Öle in konzentrierter Form inhalieren oder sie versehentlich verschlucken, kann das zu einer Vergiftung führen. Lassen Sie sich in der Apotheke ein geeignetes Präparat empfehlen. Bei Säuglingen im ersten Lebensjahr sollten Sie ätherische Öle sicherheitshalber nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt verwenden.

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