In früheren Zeiten hatte die Kamille ihren Platz in fast jedem Kräutergarten. Auch heute noch wird sie stark nachgefragt; die Echte Kamille bleibt ein Dauerbrenner unter den pflanzlichen Heilmitteln. Vor allem in der Selbstanwendung ist sie äußerst beliebt. Eine Tasse Kamillentee kann leichte Magen-Darm-Beschwerden lindern, neben der krampflösenden Wirkung kann auch der Genuss des Teetrinkens das Wohlbefinden fördern.
Die deutsche Bezeichnung \“Kamille\“ kommt von dem griechischen Wort chamaimelon, was etwa \“niedrig wachsender Apfelbaum\“ bedeutet. Wer schon einmal an der Echten Kamille gerochen hat, weiß warum: die frischen Blüten duften ganz typisch nach Äpfeln.
Für Heilzwecke dienen ausschließlich die Inhaltsstoffe der getrockneten Blüten. Durch Wasserdampfdestillation entsteht daraus ein blaues ätherisches Öl, was sich aus Matricin und seinem Abbauprodukt Chamazulen zusammensetzt. Diese Inhaltsstoffe zeigen entzündungshemmende Eigenschaften, lösen Krämpfe und bekämpfen Bakterien. Heilkraft entfalten auch die in den Blüten enthaltenen Flavonoide, Cumarine und Schleime.
Viele Substanzen lösen sich nur in Alkohol, entsprechende Fertigpräparate aus der Apotheke helfen deshalb besonders gut. Generell zu bevorzugen sind die alkoholischen Präparate aber nicht, bei bestimmten Personengruppen, zum Beispiel Leberkranken, sollte man auf alkoholische Tropfen besser verzichten.
Seine Vielseitigkeit ist das große Plus des Klassikers. Je nach Zubereitung wirkt Kamille gegen Krämpfe und Entzündungen, oder sie beruhigt. Das Naturheilmittel bekämpft Bakterien, lindert Blähungen und beschleunigt die Heilung von Wunden. Bei Haut- und Schleimhautentzündungen kommt sie bevorzugt als Creme oder Salbe zum Einsatz. Gegen Erkältungen und Halsschmerzen sind Wasserdampf-Inhalationen oder Spülungen mit Kamilleaufgüssen besonders beliebt – am Auge sollte man diese allerdings nicht einsetzen. Die Heilpflanze zählt zu den anspruchslosen Kräutern, trotzdem ist die Kultur nicht einfach. Für die Ernte und Nachbereitung braucht man spezielle Pflückmaschinen und Trockner. Rund 1000 Hektar Anbaufläche in Deutschland liefern pro Jahr etwa 400 bis 500 Tonnen getrocknetes Heilkraut. Zusätzlich wird Kamille importiert, vornehmlich aus Ägypten, Argentinien und Osteuropa.
Die Echte Kamille lässt sich an ihrem hohlen Blütenboden leicht von ähnlichen Pflanzen wie der Hundskamille unterscheiden. Allgemein wird aber davon abgeraten, sie für Heilzwecke selbst zu pflücken, da der Wirkstoffgehalt dann nicht gesichert ist.

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