Schokolade war ursprünglich alles andere als ein süßer Genuss. Die aztekische Bezeichnung „xocolatl“ leitet sich ab von „xoco“ für „sauer, herb“ und „latl“ für Wasser. Das „bittere Wasser“ war bei den Urvölkern Mittelamerikas vor allem wegen seiner Nahrhaftigkeit geschätzt und daher ein beliebter Stärkungstrunk vor kriegerischen Auseinandersetzungen. Heute versüßt Schokolade überwiegend in fester Form das Leben. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie in Bonn ließ sich jeder Deutsche 2006 durchschnittlich gut neun Kilogramm pro Kopf schmecken – fünf davon entfielen auf ungefüllte und gefüllte Tafeln und Riegel.
Für den Griff zu der Leckerei gibt es viele gute Gründe – etwa ihren unvergleichlichen Geschmack. Aber auch die „inneren Werte“ können sich sehen lassen. Kakao enthält mit Theobromin, Koffein und Phenylethylamin belebende und anregende Substanzen. Außerdem hebt der Genuss von Schokolade die Stimmung: Die Aminosäure Tryptophan wird im Gehirn zu Serotonin umgebaut und das macht gute Laune.
Der Inhaltsstoff Anandamid, der körpereigene Cannabinoid-Andockstellen besetzt, wirkt leicht berauschend. Dass Schokolade deshalb süchtig macht, ist allerdings ein Gerücht. Weil Anandamid nur in winzigen Mengen vorkommt und schnell abgebaut wird, müsste man schon mehrere Kilogramm Schokolade essen, um eine Wirkung zu spüren.
Kakaoprodukte könnten außerdem einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System haben – zumindest, wenn sie einen hohen Kakaoanteil besitzen. Verantwortlich dafür sind Flavanole, zellschützende sekundäre Pflanzenstoffe. Die im Kakao reichlich enthaltenen Substanzen senken anscheinend den Blutdruck und verbessern den Blutfluss sowie die Funktion der Gefäßinnenwände.
Hinweise darauf gibt eine Studie des Nationalen Instituts für Öffentliche Gesundheit und Umwelt in Bilthoven (Niederlande), über die in dem Fachmagazin Archives of Internal Medicine berichtet wurde. 470 Männer nahmen an der Langzeit-Untersuchung von Brian Buijsse und seinem Team teil und verzehrten im Durchschnitt 2,1 Gramm Kakao pro Tag. Die Probanden, die mit täglich vier Gramm die größte Menge zu sich nahmen, besaßen ein nur halb so hohes Risiko, an den Folgen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls zu sterben, wie die Teilnehmer, die keinen Kakao erhielten.
Der Kakaogenuss erhöhte den Spiegel des Flavanols Epicatechin, das den Stickoxidgehalt im Blutplasma ansteigen lässt. Dieses Stickoxid gelangt in die darunterliegende glatte Muskelschicht und lässt sie erschlaffen, was dazu führt, dass die Gefäße wie gestellt werden. Auch in den Arterien, die zum Gehirn führen, erhöht Kakao den Blutfluss.
Diese positiven Effekte sollten aber niemanden dazu verleiten, massenweise Schokolade zu essen, um den Blutdruck zu senken oder einem Herzinfarkt vorzubeugen. Denn die Leckerei hat einen entscheidenden Nachteil: Sie enthält sehr viel Fett und Zucker. Wer unkontrolliert nascht und sich damit überflüssige Pfunde anfuttert, verkehrt die positiven Wirkungen der Kakao-Inhaltsstoffe ins Gegenteil, steigert aufgrund erhöhter Arteriosklerosegefahr auch das Infarktrisiko.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist zudem darauf hin, dass dunkle Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil je nach Herkunft stark mit Cadmium belastet sein kann. Die Kakaopflanze nimmt das Schwermetall aus dem Boden auf und speichert es – unter anderem in den Kakaobohnen. Bisher existieren keine rechtlich verbindlichen Cadmium-Höchstwerte in Schokolade. Das BfR schlug jedoch jüngst einen Höchstgehalt von 0,1 bis 0,3 mg pro Kilogramm vor. Bei einem durchschnittlichen wöchentlichen Schokoladenverzehr von 150 Gramm mit diesen angegebenen Höchstwerten würde ein Erwachsener eine Cadmiummenge zu sich nehmen, die ca. drei bis zehn Prozent der vorläufig duldbaren wöchentlichen Menge entspricht, heißt es in einer Stellungnahme des BfR. Bis ein Grenzwert festgelegt ist, gilt der einfache Rat: Schokolade genießen – aber maßvoll.

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