Algen wachsen in Flüssen, Bächen, Seen und Meeren, verrotten an Stränden, bedecken Tümpel, halten das Wasser klar – oder vergiften es. Aber Algen sind nicht nur da, wo Wasser ist. Es gibt kaum einen Fleck auf der Erde, an dem keine der geschätzten 400 000 Arten zu finden ist. Sie gedeihen auch an Orten, an denen man sie nicht vermutet: im Wald etwa, wo sie in einer Gemeinschaft mit Pilzen als Flechten auf Bäumen leben, in der Wüste und im ewigen Eis, sogar im Fell von Faultieren, denen sie mit einem grünen Schimmer Tarnung bieten.
So zahlreich und verschieden sind Algen, dass sich kaum beschreiben lässt, was sie alles können und wofür man sie verwendet. Die Kosmetikindustrie beispielsweise mischt sie in Pflegecremes und –öle, als Wellness-Produkte werden sie in der Thalasso-Therapie angewendet, und wir essen sie als Sushi oder unbemerkt als Beigabe in vielen Fertiglebensmitteln.
Kaum ein anderer Organismus enthält so viele Nährstoffe: Kalziumhaltige Mineralien, Kohlenhydrate, Proteine oder das Spurenelement Jod – prall gefüllte Gesundheitspakete wachsen in Meeren, Seen und Böden. Doch Algen speichern nicht nur nützliche Nährstoffe besonders gut, sondern auch Gifte aller Art – und das über einen langen Zeitraum. Meeresalgen in Küstenregionen zum Beispiel nehmen sehr leicht Schwermetalle auf, die über industrielle Abwässer in das offene Meer gelangen. In Binnengewässern wiederum bilden die Algen selbst Gifte, etwa wenn zu viele Nährstoffe vorhanden sind. Sie vermehren sich dann rapide, eine sogenannte Wasserblüte entsteht und Gifte reichern sich in großer Menge an.
Algen sind also von großem Nutzen, aber trotzdem mit Vorsicht zu genießen. Viele kommerziell verwendete Arten werden heute in Kulturen gezüchtet. Dies schützt Verbraucher vor einer Belastung mit Giftstoffen. Bei uns sind Algen vor allem aus der Thalasso-Therapie bekannt, mittlerweile setzen aber auch viele Kosmetikhersteller auf Essenzen aus Rot- und Braunalgen in Cremes und Packungen. Sie regen die Zellproduktion der Haut an, binden Feuchtigkeit und helfen gegen Cellulite. Etwa 160 Algenarten werden derzeit in großem Stil genutzt, die meisten in Asien. 300 000 Tonnen kommen allein in Japan jährlich als Lebensmittel in den Handel.
Algen können auch zu Biodiesel verarbeitet werden oder als Biomasse verarbeitet werden oder als Biomasse zum Heizen dienen. Das Potenzial der Urpflanzen ist noch lange nicht erschöpft.
Für die Jodmangel-Region Deutschland scheinen Meeresalgen auf den ersten Blick eine gute Nahrungsergänzung zu sein. Anders als Süßwasser-Algen enthalten sie sehr viel Jod – leider oft zu viel.
Die vom Bundesgesundheitsamt und dem Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlene Höchstmenge liegt bei 20 Milligramm pro Kilo Trockengewicht. Meeresalgen weisen jedoch einen deutlich höheren Jodgehalt von bis zu 1000 Milligramm auf. Weniger problematisch ist das für Asiaten, die an den Verzehr von Algen gewöhnt sind. In Deutschland jedoch, wo die Menschen weniger Jod zu sich nehmen, kann ein Überangebot dieses Spurenelements zu Schilddrüsenproblemen führen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen eine tägliche Jodzufuhr von 180 bis 200 Mikrogramm. Wer seine Ernährung durch Algen ergänzen will, sollte sich also die Informationen auf der Verpackung genau ansehen und den Jodgehalt überprüfen, aber auch Herkunft und Anbauweise.

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