Moorbäder lindern Schmerzen

Früher bedeckten Moore 15 000 Quadratkilometer in der Bundesrepublik, heute sind es gerade noch 150. Die meisten Sumpfregionen wurden trockengelegt, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. In früheren Zeiten diente das Moor zum Torfabbau. In dem wasserreichen Boden verrotten abgestorbene Pflanzen ohne Sauerstoffzufuhr zu Torf, der getrocknet ein brauchbares Heizmaterial ist.
Die Vertorfung pflanzlicher Reste macht Moor auch in anderer Hinsicht zu einem besonderen Erdreich, das neben Mineralien eine große Menge organischer Substanzen enthält. Von diesen wissen wir heute, dass sie durch den Körper wandern und gezielt auf Schmerzrezeptoren wirken.
Schon seit langem schätzen Ärzte und Patienten die Wirkung von Mooranwendungen. Bäder mit breiigem Torf bringen Linderung bei rheumatischen Beschwerden. Auch in der Frauenheilkunde spielen sie eine Rolle, zum Beispiel bei unerfülltem Kinderwunsch.
Allein das Liegen im Moorbad tut gut. Der Auftrieb entlastet die Gelenke um bis zu 90 Prozent. Nicht nur aus diesem Grund wird das Moor gelegentlich als schwarze Daune bezeichnet. Wohlig umhüllt es den ganzen Körper. Moor speichert Wärme und gibt sie nur sehr langsam wieder ab. Dank der gleich bleibenden Wärmezufuhr halten die Anwender Temperaturen von bis zu 50 Grad aus. Ein Moorbad kann dem Körperkern in der gleichen Zeit siebenmal mehr Wärme zuführen als ein vergleichbares Wannenbad. Das stärkt die Abwehr und aktiviert die Selbstheilungskräfte.
Selbst schlecht durchblutete Körperregionen wie Gelenke und Knorpel erfahren eine intensive Erwärmung. Weil das Moor darüber hinaus auch schmerzstillende Substanzen enthält, lindert es rheumatische Beschwerden gleich auf mehrere Arten. Osteoporose-Patienten profitieren zusätzlich von der hormonstimulierenden Wirkung des Moors.
Nicht geeignet ist die Badekur für Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen, ausgeprägten Krampfadern, nässenden Ekzemen, offenen Wunden sowie akut entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. Aber auch als Packung und Auflage kann Moor Schmerzen lindern und den Körper durchwärmen.
Schon vor 150 Jahren suchten Frauen Moorheilbäder auf, wenn sich ihr Kinderwunsch nicht erfüllte. Früher glaubten Ärzte, die Fruchtbarkeit würde durch die intensive Erwärmung und Durchblutung der Eierstöcke gefördert. Doch inzwischen konnte dank moderner Analysemethoden der tatsächliche Wirkmechanismus entschlüsselt werden.
Eine Untersuchung des Balneologischen Instituts Bad Aachen zeigte, dass bestimmte Substanzen im Moor die hormonelle Regulation beeinflussen. Speziell in Bergkieferhochmoor aus dem Alpenvorland von Bad Kohlgrub und Bad Bayersoien wiesen die Wissenschaftler einen erhöhten Gehalt an Fulvin- und Ulminsäuren nach. Diese gelangen durch die Haut in den Körper und senken den Spiegel des Hormons Prolaktin. Erhöhte Prolaktin-Werte erschweren es, schwanger zu werden.
Hormonbehandlungen und moderne Reproduktionsmedizin ließen das klassische Naturheilverfahren weitgehend in Vergessenheit geraten.
Rund zwei Zentner frisch gestochener Torf sind für ein Vollbad nötig. Das Rohmaterial wird von unvertorften Ästchen und anderen größeren Pflanzenteilen befreit, mit Wasser zu einem Brei verrührt und nur einmal für das Bad verwendet. Um die wenigen Moorlandschaften zu schonen, wird Torf, der als Heilmoor zum Einsatz kam, in vielen Kurorten in alte Torfstiche zurückgebracht und renaturiert. Moose und andere Pflanzen siedeln sich an und setzen die Vertorfung erneut in Gang.

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