Essen gegen Schmerzen

Fast jeder Mensch leidet ab und an unter Kopf- und Rückenschmerzen, Arthrose oder Rheuma. Die meisten greifen dann zu starken Schmerzmitteln, um die Beschwerden in Schach zu halten. Doch es geht auch anders. Mit einer langfristigen Umstellung der Ernährung lassen sich viele durch Krankheiten hervorgerufene Schmerzen lindern, das haben mehrere Studien bestätigt.
Ärzte wissen mittlerweile genau, was bei Schmerzen in unserem Organismus abläuft: Eine wichtige Rolle spielt dabei die so genannte Arachidonsäure (eine vierfach ungesättigte Fettsäure). Sie verursacht bei Patienten mit Rheuma, Arthrose, der Rückenkrankheit Morbus Bechterew und der Muskel-Nerv-Erkrankung Fibromyalgie zum Teil schlimme Qualen. Was viele nicht wissen: Der Körper stellt die Fettsäure nicht selbst her. Stattdessen kommt sie nur durch bestimmte Nahrungsmittel – hauptsächlich Fleisch – in den Körper. Arachidonsäure heizt die Entzündungen kräftig an, wer auf Schnitzel oder Steaks verzichtet, hat deutlich weniger Schmerzen.
Hilfreich im Kampf gegen die Arachidonsäure sind vor allem Omega-3-Fettsäuren. Denn der vor allem in Seefisch (Hering, Lachs, Makrele), Leinsamen und Pflanzenöl enthaltene Stoff schützt nicht nur vor Herzinfarkt und Schlaganfall, er hemmt auch die Wirkung von Arachidonsäure, und zwar so gut, dass die Einnahme von Schmerzmitteln und Kortison um bis zu 50 Prozent reduziert werden kann.
Zum gleichen Ergebnis kommt eine Untersuchung der Universität Toronto: Vor allem bei chronisch entzündlichen Schmerzen wirken die Omega-3-Fettsäuren Wunder. Zwei- bis dreimal wöchentlich sollte deshalb 250 Gramm Fisch serviert werden. Wer Fisch nicht mag, dem helfen Lebertrankapseln aus der Apotheke.
Allerdings können Omega-3-Fettsäuren nur dann optimal ihre Wirkung entfalten, wenn auch sonst auf eine gesunde Ernährung geachtet wird. Neben viel Fisch und wenig Fleisch gehört dazu vor allem Obst und Gemüse, am besten täglich. Nur dann wird der Körper ausreichend mit Vitaminen und Nährstoffen versorgt.
Vor allem die Vitamine C und E spielen eine wichtige Rolle. Vitamin C bremst die schädlichen freien Radikale (behindern die Zellregeneration), entgiftet Leber und Magen. Es steckt besonders in Paprika, Fenchel, Kohlgemüse, Erdbeeren, Kiwis und Johannisbeeren. Vitamin E (enthalten z. B. in Keimölen, Nüssen und Schwarzwurzeln), das zeigten Untersuchungen, ist in der Lage Entzündungen abzubauen. Rheumatiker und Gichtkranke sollten zudem öfter Auberginen essen. Ihr Pflanzenfarbstoff Anthocyanidine kann Schmerzen nachweislich lindern.
Ganz neu ist auch die Erkenntnis, dass Olivenöl eine Substanz enthält, die in ihrer Wirkung dem Schmerzmittel Ibuprofen ähnlich ist. Oleocanthal heißt der Stoff. Er bremst spezielle Enzyme, die bei der Entstehung von Schmerzen eine wichtige Rolle spielen. In höheren Konzentrationen kommt die Substanz aber nur in frisch gepresstem und hochwertigem Olivenöl vor. Eine weitere Waffe gegen Schmerzen ist Chili: Forscher der Harvard Medical School haben entdeckt, dass Capsaicin, der Scharfmacher der Schoten, wie ein effektives Betäubungsmittel wirkt.
Mittlerweile nutzen auch Lebensmittelhersteller die positive Kraft der Omega-3-Fettsäuren. Immer öfter finden sich in den Supermarktregalen Brot, Joghurt und Eier, die damit angereichert sind. Als Functional Food bezeichnen Experten diese Nahrungsmittel mit Gesundheitsfaktor. In den Produkten stecken zwar nicht so viele Omega-3-Fettsäuren wie im Fisch, aber für Menschen, die keinen Fisch mögen, sind sie durchaus geeignet.
Positiver Nebeneffekt einer gesunden Ernährung ist das Purzeln der Pfunde. Vor allem das Bauchfett ist seit einiger Zeit ins Visier der Forscher geraten. Denn die Gefahren einer voluminös geformten Körpermitte wurden lange unterschätzt. Mit jedem Pfund zuviel steigt nicht nur die Gefahr, an Diabetes zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Zu viel Fettgewebe im Bauchraum sorgt auch für die Ausschüttung von Entzündungsstoffen. Mit viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung bekommt der Bauch sein Fett wieder weg; der beste Schutz vor Krankheiten – und vor Schmerzen.

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