Die Pflanze ist mit ihren kleinen lila Blüten eine eher unscheinbare Vertreterin der rund 280 Pelargonienarten aus der Familie der Storchschnabelgewächse. Die Deutschen schätzen Pelargonien – bei uns Geranien genannt – nur als Zierpflanzen. Den hier heimischen Verwandten fehlen die entscheidenden Inhaltstoffe; ihre Wurzeln sind medizinisch gesehen wertlos.
Dass die Kapland-Pelargonie Eingang in den europäischen Arzneimittelschatz fand, ist der Tuberkulose-Erkrankung des Engländers Charles Henry Stevens im 19. Jahrhundert zu verdanken. Er importierte den Extrakt nach England und brachte ihn dort unter der Bezeichnung \”Stevens Cure\” (übersetzt etwa: Stevens\’ Heilmittel) zur Behandlung von Tuberkulose auf den Markt.
Über die Herkunft und Wirkweise des Medikaments war damals nur wenig bekannt. Die British Medical Association hielt das Präparat für ein Plagiat eines bekannten Mittels. Sie bezeichnete Stevens als Betrüger, den Wurzelextrakt als Fälschung. Dieser wurde verboten und verschwand vorübergehend vom Markt. Das wissenschaftliche Interesse an der Zulu-Medizin aber war geweckt.
Der Schweizer Missionsarzt Dr. Adrien Sechehaye wollte es genau wissen und behandelte binnen zehn Jahren rund 800 Tuberkulosepatienten mit \”Stevens Cure\”. Die Ergebnisse veröffentlichte er ab 1930 in zahlreichen wissenschaftlichen Berichten. Er folgerte, dass das Mittel in vielen unkomplizierten Tuberkulose-Fällen tatsächlich eine Heilung bewirkt. Die Stevens-Kur wurde damit – Jahre nach ihrer Einführung – wissenschaftlich gestützt.
Heute erlebt der Wurzelextrakt bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten eine Wiedergeburt. Studien zeigen, dass er bei akuter Bronchitis sowie Mandel- und Nebenhöhlenentzündungen die Genesung beschleunigt. Der Extrakt der Kapland-Pelargonie ist gut verträglich und auch für Kinder geeignet. Wer blutgerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte erst mit dem Arzt sprechen.
Als Hauptwirkstoffe machten Forscher bisher Polyphenole, Cumarine und Gallussäurederivate ausfindig. Deren Wirkungsweise ist vielfältig: Die Inhaltsstoffe erschweren beispielsweise Bakterien das Anheften und Eindringen in die Schleimhautzellen. Zusätzlich aktiviert das Medikament die Immunabwehr und die körpereigenen Reinigungsmechanismen der Schleimhäute. Das beschleunigt die Vernichtung bereits eingedrungener Bakterien und Viren. Der Extrakt fördert nicht nur die Genesung bei akuten Beschwerden, sondern senkt zudem das Risiko von Erkältungskomplikationen wie etwa Nasennebenhöhlenentzündungen.
Für den positiven Effekt auf Charles Henry Stevens haben die Wissenschaftler inzwischen eine Erklärung: Die immunstärkende Wirkung unterstützt den Körper auch im Kampf gegen die Tuberkulose-Bakterien. Allerdings gibt es heute viel erfolgreichere Medikamente gegen die Lungenkrankheit, sodass die ursprüngliche Verwendung des Extrakts fast in Vergessenheit geraten ist.

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