Nach Einschätzung von Dr. Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg ist der Holunder einer der wichtigsten Sträucher der Medizingeschichte. Weltweit existieren ungefähr 20 bis 30 verschiedene Arten der zu den Moschuskrautgewächsen gehörenden Gehölze. Zwei davon, den Schwarzen Holunder und den Zwergholunder beschrieb bereits der griechische Arzt Dioskurides in der \“Materia medica\“, einem wichtigen Medizinlehrbuch der Antike. Er nennt unterschiedliche Anwendungen von Wurzeln, Blättern und Früchten und bezeichnet sie als entzündungshemmend, schweißtreibend und entwässernd.
Bis heute gilt der Saft aus den Beeren des Schwarzen Holunders als wirksames Mittel bei Erkältung. Ein halber Liter bei ersten Anzeichen von Schnupfen, Husten oder Heiserkeit schluckweise über den Tag verteilt getrunken, kann eine Erkältung im Keim ersticken. Roh sollten die Beeren allerdings nicht verzehrt werden, so können sie Durchfall und Erbrechen verursachen.
Holunderfrüchte sind reich an Folsäure sowie Vitamin C und B. Doch welche Inhaltsstoffe medizinisch wirksam sind, ist noch nicht endgültig geklärt. Kleinere Studien haben gezeigt, dass der Extrakt aus Holunderbeeren bei Erkältungskrankheiten durchaus hilfreich ist. Er schnitt besser ab als Placebo-Präparate. Wissenschaftler fanden heraus, dass er antiviral wirkt und verhindert, dass Viren in Zellen eindringen.
In der Regel werden jedoch nur die (getrockneten) Blüten des Holunders medizinisch genutzt: als Schwitz-Tee bei fiebrigen Erkältungen. Dieser wird oft in Kombination mit Lindenblüten angewendet, wirkt schweißtreibend und schleimlösend. Auch hier ist nicht bekannt, welche Stoffe für den Effekt verantwortlich sind.
Die Blüten besitzen darüber hinaus eine kulinarische Bedeutung. So frisch, wie sie aussehen, schmecken sie auch in Form von Gelee, Sirup und Sekt oder als \“Hollerkücherl\“: Dafür taucht man die weißen Blütendolden in Pfannkuchenteig und backt sie im Fett schwimmend aus.

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