Ende des 19. Jahrhunderts florierte der Handel mit Sennesblättern aus Arabien, die damals ein gängiges Abführmittel waren. Auf diese Wirkung weist schon der arabische Name hin: \“Sanna\“ bedeutet \“erleichternd\“. Von arabischen Ärzten aus dem 9. und 10. Jahrhundert stammen auch die ersten Berichte über die medizinische Nutzung. Sie brachten die Sennesblätter nach Europa an die \“Schule von Salerno\“, eine damals berühmte medizinische Lehr- und Forschungsanstalt.
Etwa in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand das \“Circa instans\“, das erste europäische Arzneibuch. Der Autor des Buches beschreibt die Blätter als sehr wirksam gegen alle Krankheiten, die der \“melancholische\“ Körpersaft verursacht. Genannt werden Epilepsie, Schwindel, \“kranke Milz\“ – darunter verstand man damals die Bauchspeicheldrüse -, Hämorrhoiden und Viertagesfieber (Malaria). Ungefähr seit dem 15. Jahrhundert blieb die Hauptanwendung gleich: Sennesblätter und die milder wirksamen Sennesfrüchte gelten als \“reinigend und abführend\“.
Versuche im 16. Jahrhundert, die ein bis eineinhalb Meter hohe, gelb blühende Pflanze aus Afrika in Italien anzubauen, schlugen fehl. Bis heute ist man in Europa daher auf Importware angewiesen.
Arzneilich genutzt werden die Sennesblätter und -früchte sehr oft als Tee, entweder in Reinform oder in Fertigmischungen. Ihren durchschlagenden Erfolg verdanken sie bestimmten Inhaltsstoffen, den \“Anthranoiden\“. Sie sind beispielsweise auch in Aloe, Rharbarberwurzeln und Faulbaumrinde enthalten.
Der erwünschte Effekt tritt erst nach acht bis zehn Stunden ein: Im Dickdarm angesiedelte Bakterien wandeln die Stoffe in die abführend wirkende Form um, die \“Monoanthrachinone\“. Diese regen die Darmbewegung an und beschleunigen die Passage des Nahrungsbreis.
Sennesblätter sollten nur nach Absprache mit dem Arzt angewendet werden. Wichtig ist, dass nicht überdosiert wird, weil sonst heftige Darmkrämpfe auftreten können. Bei lang andauernder, überdosierter Anwendung besteht möglicherweise auch die Gefahr einer Gewöhnung, die zu Darmträgheit führen kann.
Generell wird empfohlen, Verstopfung durch Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung zu bekämpfen. Sennesblätter sollten nur in hartnäckigen Fällen verschrieben werden. Unbedingt abzuraten ist vom Einsatz des Abführtees als Schlankheitsmittel. Der Tee ist zwar pflanzlich, aber nicht harmlos. Bei ständiger Anwendung kann es zu einer Dauerreizung der Darmschleimhaut kommen. Dies kann zu schweren Darmerkrankungen führen.

Comments are closed.

Impressum
Nutzungsbedingungen