Der Mensch ist ein Opfer der Evolution. Vor vier Millionen Jahren wechselte er vom Vierfüßlerstand in den aufrechten Gang – zu schnell für seine Wirbelsäule. Bis heute hat sie sich dieser Veränderung nicht ganz angepasst. Die Folge: 80 Prozent der Bevölkerung haben Rückenschmerzen. Auf 25 Milliarden Euro pro Jahr werden die Kosten geschätzt. Die Kreuzleiden verursachen. Doch ein schmerzfreies Leben ist möglich. Mit der neuen 3-Säulen-Therapie gehören Rückenschmerzen bald der Vergangenheit an.

1. Säule: Schmerztherapie: Das größte Problem aller Rückenpatienten ist die ständige Angst vor dem Schmerz. Jede falsche Drehung könnte neue Beschwerden hervorrufen. Deshalb verzichten viele auf jede überflüssige Bewegung. Die Folgen sind verheerend: Wer sich ständig schont, schwächt den ohnehin angegriffenen Stütz- und Bewegungsapparat des Körpers. Die Leistungsfähigkeit der Muskulatur sinkt weiter und hält immer weniger den Belastungen stand. Die Beschwerden werden stärker – ein Teufelskreis. Zunächst muss also der Schmerz gestoppt werden. Bisher zog ein Patient durchschnittlich acht Jahre von Arzt zu Arzt, bis er eine umfassende Schmerztherapie erhielt. Die Mediziner-Initiative \“Koalition gegen den Schmerz\“ hat inzwischen 3000 Hausärzte mit der Therapie auf diesem Gebiet vertraut gemacht. Bei leichten bis mäßigen Schmerzen reichen freiverkäufliche Präparate mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen. Bei stärkeren und ständig wieder kehrenden Schmerzen verordnen Ärzte immer öfter so genannte Cox-2-Hemmer, die ganz gezielt auf den Schmerz losgehen. Die wahren Hemmer, die selbst schlimmsten Schmerz verschwinden lassen, sind Opioide. Viele Menschen haben aber Angst vor der Abhängigkeit, was völlig unbegründet ist. Die neuen Opiate machen nicht abhängig, führen nicht zu Organschädigungen und eignen sich sogar zur Langzeitbehandlung.

2. Säule: Bewegungstraining: Ein ganzes Geflecht dünner Muskelbänder verkettet sämtliche Wirbel kreuz und quer miteinander. Sie balancieren den Körper ständig aus, ohne dass wir etwas davon merken. Experten bezeichnen sie als autochthone, vom Willen unabhängige Muskulatur. Darüber liegen die Muskeln, die Arme, Beine, Bauch und Po mit der Wirbelsäule verbinden. Sie stützen das Rückgrat, bringen es bei jeder Bewegung aber auch ins Schwanken. Funktionieren kann dieses komplizierte System nur, wenn alle Muskelmitspieler kräftig und gleich stark sind. Das ist aber nur bei fünf Prozent der Bevölkerung der Fall. Sie gehören zu den Glücklichen, die Rückenschmerzen nur vom Hörensagen kennen. Bei allen anderen agieren nur die großen Muskeln, die kleinen, untrainierten klinken sich aus. Die tragende Säule bekommt Schlagseite, und das führt zu Verschleiß und Schmerzen.
Die beste Medizin ist Bewegung. Experten empfehlen deshalb einen Mix aus Ausdauer-, Muskel- und Koordinationstraining. Ganz neu: die sogenannte Propriozeption, ein Training mit einem flexiblen Schwungstab, der den Körper bei Bewegung in Schwingung versetzt. Der ganze Körper fängt an zu vibrieren und Übende müssen versuchen, das Gleichgewicht zu halten. Damit ist es jetzt erstmals möglich, auch die kleinen Muskeln zu trainieren. Dieses Spezialtraining wird bereits in ambulanten Rehazentren und Fitnessstudios eingesetzt.
Ideal sind auch Übungen mit dem Sitzball. Damit lassen sich alle wichtigen Muskelgruppen an Rücken, Bauch, Hüften und Beinen stärken.

3. Säule: Entspannung: Lange Zeit galten Rückenschmerzen als orthopädisches Problem, doch neueste Forschungen beweisen, dass bei jedem Dritten die Ursache Stress ist. Der Rücken ist ein Spiegel unserer Seele, er nimmt jeden Druck wahr, die Muskeln verkrampfen, werden steif und der Stress kriecht ins Kreuz. Viele Menschen müssen deshalb erst einmal lernen, sich wieder zu entspannen. Aktuelle Studien zeigen, dass vor allem Autogenes Training und die Muskelentspannung nach Jacobsen schnell und wirksam Stress abbauen können.

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