Zu Beginn der 1930er Jahre entwickelte der Berliner Nervenarzt Johannes H. Schultz aus der Hypnose das autogene Training, das er in zwei Phasen einteilte: Die Unterstufe, heute Grundstufe genannt, dient vor allem der Entspannung, Vorbeugung von Krankheiten und Linderung von Beschwerden. In der Oberstufe geht es um vertiefte Selbsterkenntnis und Charakterbildung. Heute ist vor allem das Training der Grundstufe weit verbreitet.
Bei der Bewältigung von Stress und bei Schlafstörungen, die nicht durch eine organische Erkrankung verursacht werden, hat autogenes Training sich bewährt. Außerdem hilft es gegen Verspannungen, auch Spannungskopfschmerz, sowie kalte Hände und Füße. Darüber hinaus soll es bestimmte Krankheiten und chronische Schmerzen lindern. Als begleitende Therapie bei Asthma bronchiale kann es die Häufigkeit und Schwere der Anfälle mildern.
In anderen Fällen – etwa bei der Behandlung von Bluthochdruckpatienten – sorgt das Verfahren dafür, dass der Arzt mit einer geringen Menge an Medikamenten auskommt.
Klinisch kontrollierte Studien zeigen einen positiven Effekt bei den oben genannten Problemen. Bei Angststörungen und leichter Depression kann diese Art der Entspannung ebenfalls entlasten. Dennoch kann das \“Einkehren ins Ich\“ eine psychische Krankheit verstärken. Daher sollten stark neurotische oder psychotische Personen mit Wahnvorstellungen diese Methode nicht anwenden. Bei Migränepatienten hat sich das autogene Training ebenfalls nicht bewährt.
In einem sechs- bis achtwöchigen Kurs lernen die Teilnehmer, in sechs Schritten mit einfachen formelhaften Sätzen wie \“Ich bin ruhig\“ oder \“Mein rechter Arm ist schwer\“ loszulassen. Damit schaffen sie sich ihre eigenen Erholungsinseln im stressigen Alltagstrubel. Schon für Kinder ab sechs Jahren eignet sich autogenes Training. Nach oben hin besteht keine Altersgrenze. Eine Ausnahme gibt es: Demente können es nicht mehr erlernen.
Volkshochschulen, Gesundheitszentren und Einzelpersonen bieten Kurse an. Fragen Sie auch bei Ihrer Krankenkasse nach Adressen. Oft werden Seminare im Rahmen der Vorbeugung von den Kassen bezuschusst oder ganz bezahlt. Ist es medizinisch ratsam, übernimmt die Krankenkasse die Kosten, vorausgesetzt, der Patient sucht einen Arzt oder Psychologen mit einer Sonderzulassung für autogenes Training auf.

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