Psychotherapie und Beratung

Der Ursprung der Psychotherapie, so wie wir sie wir heute kennen, kann zurückverfolgt werden bis zur Arbeit von Sigmund Freud, der von 1880 bis 1930 in Wien Psychoanalyse praktizierte. Von ihm stammt die Idee des Unbewussten und er versuchte verdrängte Ursachen für die Probleme seiner Patienten aufzudecken, indem er sie frei darüber reden ließ.
Analytische und psychodynamische Therapien gehen davon aus, dass Erinnerungen und Gefühle „unterdrückt“ oder vergessen werden und so Geist und Körper negativ beeinflussen. Der Patient soll über unterdrückte Erfahrungen und Gefühle sprechen. Er beginnt das Gespräch und entscheidet, worüber gesprochen wird.
Die Aufgabe von ausgebildeten Therapeuten ist es, nicht nur zu erkennen, über was der Patient spricht, sondern auch, über was er nicht spricht, und sein jetziges Verhalten mit vergangenen Ereignisse in Beziehung setzen. Die oft einstündigen Sitzungen finden meist einmal pro Woche statt. Die Dauer der Behandlung variiert stark und kann einige Monate oder auch Jahre betragen.
Die Psychotherapie und Beratung umfasst viele verschiedene Methoden zur Heilung von psychischen Problemen. Es existieren unterschiedliche Therapieformen. Die wichtigsten werden hier aufgeführt.
Psychoanalyse:
Die Grundlagen der Psychoanalyse basieren auf dem Werk von Freud. Auch wenn unangenehme Gefühle der frühen Kindheit in das Unbewusste verbannt werden, haben sie weiterhin Einfluss auf Gedanken, Gefühle und Verhalten. Unterdrückte Gefühle können später im Leben in Form von Konflikten, Ängsten, Depressionen und quälenden Gedanken an die Oberfläche kommen oder sich in Träumen oder Aktivitäten ausdrücken.
Während der Therapie liegt der Patient auf einem Sofa oder sitzt auf einem Stuhl und spricht über das, was ihm in den Sinn kommt. Drei bis fünf 50minütige Sitzungen pro Woche über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren sind möglich.
Die analytische Psychotherapie nach C. G. Jung:
Carl G. Jung glaubte an ein menschliches Streben nach „Selbstverwirklichung“ und einer spirituellen Suche nach dem „kollektiven Unbewussten“. Er entwickelte eine Form der Psychoanalyse, in der die Patienten vergangene Erfahrungen untersuchen, um tief sitzende Probleme zu lösen. Jung ging davon aus, dass wir Teile von uns nicht akzeptieren; diese unterdrückten „Schatten“ müssen wir integrieren, um zu unserem wahren Selbst zu finden. Mindestens sechs Monate lang müssen ein bis zwei Sitzungen pro Woche abgehalten werden – die normale Behandlung dauert zwei Jahre.
Psychodynamische Therapie:
Die Therapie arbeitet mit dem Unbewussten und stellt Verbindungen her zwischen vergangenen und gegenwärtigen Ereignissen. Die Behandlung hat traditionell ein offenes Ende, die Therapie für ein bestimmtes Problem kann auf 15-40 Sitzungen beschränkt werden.
Gruppentherapie:
In der Gruppenarbeit können psychoanalytische, humanistische oder verhaltenspsychologische Ansätze integriert werden. Dies hilft Menschen, die abhängig sind oder Schwierigkeiten haben, anderen zu vertrauen. Man arbeitet in kleinen Gruppen über mehrere Monate. Ein Therapeut agiert als „Vermittler“.
Familientherapie:
In der Familientherapie geht es um die Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern. Die ersten Beziehungen im Leben spielen sich im Familienkreis ab. So früh entwickelte Gewohnheiten haben einen sehr großen Einfluss auf unser späteres Verhalten. In einer gestörten Familie kann ein Mitglied krank werden, wenn es spürt, dass über gewisse Erfahrungen nicht frei gesprochen werden kann. Wenn die ganze Familie mit einem Therapeuten zusammen sitzt, kann über Probleme, die alle betreffen, wie z. B. Kommunikationsstörungen, geredet werden, ohne jemanden speziell anzusprechen. Die Behandlung ist recht kurz und umfasst meist 10-20 Sitzungen von 50minütiger Dauer.
Psychologische Beratung:
Die Beratung konzentriert sich meist auf spezielle Probleme wie einen Trauerfall oder Arbeitslosigkeit. Der Berater wirkt unterstützend und ermuntert Sie, frei zu reden. Er wird aber Ihre persönlichen Probleme nicht so erforschen wie ein Psychotherapeut und wenig direkte Ratschläge geben. Stattdessen werden Ihnen Ihre eigenen Gedanken widergespiegelt und so die Selbsterkenntnis gefördert. Der Therapeut hilft Ihnen auch, Ihre Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und eigene Lösungen zu finden. Die Behandlungsdauer dauert nur Wochen und Monate.
Eheberatung:
In der Eheberatung geht es weniger darum, die Ehe oder Partnerschaft zu retten, als dem Paar die Schwierigkeiten vor Augen zu führen, damit sie besser damit umgehen lernen. Man kann an der Eheberatung allein, als Paar oder in einer unterstützenden Gruppe teilnehmen. Die Sitzungen werden meist wöchentlich für 50 Minuten gehalten und dauern einige Monate.
Sexualberatung/Psychosexuelle Therapie:
Diese Therapie ist unter beiden Namen bekannt und hilft Menschen mit sexuellen Problemen. Die Paare lernen ihre verbale und körperliche Kommunikation zu verbessern und erhalten Ratschläge bei verbreiteten Problemen wie Impotenz, Erektionsschwierigkeiten oder Fruchtbarkeitsproblemen.
Lösungsorientierte Kurztherapien:
Diese beratende Therapie hilft eher, einen positiven Wechsel einzuleiten, als vergangene Probleme zu bearbeiten. Der Therapeut ermutigt den Patienten, sich positiv auf Dinge zu konzentrieren, die er gut kann, und Ziele aufzustellen und an deren Erreichung zu arbeiten.
Verhaltenstherapie:
Die Therapie zielt darauf ab, bestimmte ungewollte Gewohnheiten durch geistige und physische Übungen und mit Hilfe von Bestrafung und Belohnung zu verändern.
Die Therapie wirkt bei stressbedingten Krankheiten, zwanghaftem Verhalten, irrationalen Ängsten, Phobien und Suchtverhalten.
Kognitive Therapie:
In der kognitiven Therapie soll über die Geisteskraft das Verhalten beeinflusst werden. Vergangene Erfahrungen können sich nachteilig auswirken auf die Selbstwahrnehmung und auf Einstellungen, Gefühle und die Fähigkeit, mit bestimmten Situationen umzugehen. Durch das Erkennen, Hinterfragen und Verändern von negativen oder selbstzerstörerischen Gedanken kann man lernen, das Verhalten zu verändern.
Wöchentliche Sitzungen von 50 Minuten können einige Monate dauern.
Das 12-Schritte-Programm:
Dieses Programm wurde 1930 in den USA entwickelt für die Behandlung von Alkoholkranken. Inzwischen wird es bei jeder Art von Abhängigkeit angewendet. In Gruppenarbeit helfen diese Schritte, neue Verhaltensweisen und eine neue Sicht von sich selbst zu entwickeln. Der erste Schritt besteht darin, seine Probleme anzunehmen. Die wöchentlichen Sitzungen werden über Jahre durchgeführt.
Neurolinguistisches Programmieren (NLP):
NLP wurde in den 70ern in Amerika entwickelt. Die US-Psychotherapeuten John Grindler und Richard Bandler gingen davon aus, dass alle Erfahrungen unsere Lebenssicht prägen. Ein Psychotherapeut hilft dem Patienten herauszufinden, wie er gelernt hat zu denken und zu fühlen und dadurch Kontrolle über sein Tun zu erreichen. Der Patient wird immer wieder aufgefordert, Sprechweise und Körperhaltung zu verändern, um besser kommunizieren und persönliche Veränderungen herbeiführen zu können.
Humanistische Psychotherapie:
Diese Therapie wurde größtenteils von dem Amerikaner Abraham Maslow entwickelt. Die Patienten lernen Gefühle auszudrücken und Verantwortung für Gedanken und Handlungen zu übernehmen. In den Vordergrund gestellt werden nicht Fehlverhalten oder Neurosen, sondern Selbstentwicklung und Erreichen der eigenen Höchstform.

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