Biorhythmus

Ganz allgemein versteht man unter dem Biorhythmus einen zeitlichen Zyklus, der durch die Natur vorgegeben ist. Es handelt sich um einen Forschungsbereich der Chronobiologie, die sich z. B. mit Wachen/Schlafen, oder dem Winterschlaf bei Tieren beschäftigt.
Obwohl es bisher noch nicht eindeutig nachgewiesen ist, geht die Wissenschaft davon aus, dass auch unser Wohlbefinden (Emotion/seelischer Zustand), unsere körperliche Leistungsfähigkeit (physischer Zustand) und unsere Denkfähigkeit (intellektueller Zustand) einem zeitlichen Auf und Ab unterliegen. Dieser Zyklus beginnt mit unserer Geburt und folgt von diesem Zeitpunkt an, einem strengen zeitlichen Rhythmus. Die Perioden der drei verschiedenen Bereiche haben jeweils eine eigene Zeitdauer.

Der körperliche Rhythmus beträgt 23 Tage: Diese Kurve gibt Auskunft über unsere Ausdauer, Vitalität und Kraft. Die Auswirkungen sind vor allem im körperlichen Bereich zu spüren. In Zeiten der Höhepunkte des Zyklus verfügen wir über besonders viel Energie. Die Tiefpunkte zeichnen sich durch schnellere Ermüdung aus.

Der seelische Rhythmus beträgt 28 Tage: Alles, was in den Bereich der sinnlichen Wahrnehmung, Kreativität und Gemütsverfassung fällt, wird durch diesen Zyklus geprägt. Besonders in den zwischenmenschlichen Bereichen sind seine Auswirkungen zu spüren. In den Höhepunkten dieses Zyklus sind wir guter Dinge, wir wagen uns Probleme und auch größere Aufgaben leicht und ruhig zu bewältigen. Depressive Stimmungen, Unausgewogenheit und leichte Reizbarkeit zeigen sich vor allem in der Phase der niedrigen Werte dieser Periode.

Der geistig-intellektuelle Rhythmus beträgt 33 Tage: Vornehmliche Merkmale dieses Zyklus sind Denkfähigkeit, Logik und Lernfähigkeit. Im Hochpunkt dieser Periode sind auch komplexe Zusammenhänge klarer und einfacher zu verstehen. Im Tiefpunkt können teilweise auch scheinbar leichte Gedankenaufgaben ein Problem darstellen.

Über Millionen von Jahren bestimmte die Natur mit ihrem täglichen Licht-Dunkel-Wechsel unseren Alltag. Der Mensch entwickelte einen typischen Biorhythmus mit täglichem Leistungshoch und nächtlichem Leistungstief. Gleichzeitig prägen genetische, innere Uhren einen Grundrhythmus. Das Sonnenlicht ist der wichtigste, äußere Taktgeber. Es eicht die inneren Uhren täglich neu auf einen 24-Stunden-Rhythmus mit Aktivitäts- und Ruhephasen.

Die inneren Uhren ticken individuell von Mensch zu Mensch leicht unterschiedlich und bestimmen den Alltag. Sie sind verantwortlich für das stetige Auf und Ab im Tagesverlauf, für die Schwankungen zwischen fit und müde. Unser Biorhythmus lässt uns zu bestimmten Zeiten aufwachen und wieder einschlafen. Bei den Langschläfern beginnt der Tagesrhythmus einfach etwas später als bei den Frühaufstehern. Und daran können sie wenig machen, denn alles verläuft nach einem inneren, genetisch festgelegten Zeitprogramm.

Würde man die Erkenntnisse der Chronobiologie oder Chronomedizin in unserem Arbeitsalltag besser umsetzen, könnte die Gesellschaft von der stärkeren Beachtung der Biorhythmen profitieren und es ließen sich viele Unfälle, Fehler und Krankheiten, die vor allem durch Nachtarbeit entstehen, vermeiden. Nach wissenschaftlicher Ansicht gehört die Mehrzahl der Deutschen zum Chronotyp der Langschläfer. Sie kommen erst etwas später in Hochform. Doch unsere Gesellschaft zwingt sie oft über einen frühen Arbeits- oder Schulbeginn sozusagen täglich zum \”Kaltstart\”. In diesem Sinne ist die Einführung von Gleitzeiten als echter Fortschritt zu bewerten. Manche können so ihren individuellen Tagesrhythmus besser an die Erfordernisse unserer Gesellschaft anpassen. Doch in diesem Bereich sind noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

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